Selten an der Küste

Die Musik ein bisschen aufdrehen. Da ist ein neues Album draußen. Häufig brauche ich ein bisschen um mit neuen Liedern zurecht zu kommen. Egal von wem. Auch die neuen Alben von Wanda, Mumford and Sons und Herbert Grönemeyer werden erst einmal geprüft. Kann man so hinnehmen? Hoffentlich wieder öfter hören? Diesen einen Song von Annemaykantereit auf jeden Fall. Da brauchte ich nicht lange, um damit warm zu werden. Mit dem Text haben sie ins Schwarze getroffen, in jeglicher Hinsicht.

Ich bin leider selten an der Küste
die ich so sehr vermisse
weil alles anders ist am Strand
Und ich habe Fernweh ohne Ende
Fernweh für das Fremde
weil ich mir selber fremd geworden bin

-Annenmaykantereit

Keiner aus meinem Freunds- und Bekanntenkreis würde fragend die Stirnrunzeln und Unverständnis äußern. Wir irren doch alle durch die Gegend. Ohne Ziel und Plan. Vielleicht mal provisorisch einen gesteckt, aber nach der nächsten Biegung wieder verworfen. Verstecken uns hinter Fassaden und klugen Sätzen, damit niemand bemerkt, wie es uns wirklich geht. Belügen uns und Andere. Brauchen Ruhe, auch vor uns selbst. Entfliehen, um wieder zu Kräften zu kommen. Wir laufen vor Gefühlen weg. Haben Angst andere Menschen zu nah heranzulassen.

Ich habe Angst zu lieben
immer nur am Zweifeln
im Hinterkopf das Scheitern
weil alles irgendwann vergeht
weil alles irgendwann vergeht

-Annenmaykantereit

Warum eigentlich? Warum haben wir immer Angst vorm Scheitern und versuchen dann Dinge erst gar nicht näher in Angriff zu nehmen. Ist doch verschwendete Energie, kann man meinen. Immer dieses auf die Knie fallen und stürzen – das macht auch keinen Spaß. Das Herz ständig gebrochen. Die Scherben wieder aufsammeln, das kleine Ding wieder flicken. Dann lieber Schoner anziehen, das Herz gut wegschließen und gute Laune vortäuschen. Denn keine Risiken eingehen, nie mutig sein, dass ist vielleicht bequem und schützt vor Verletzungen, aber es macht auf Dauer nicht glücklich. Und glücklich sein ist doch das, was wir uns alle wünschen. Ein Ziel, welches sich wohl jeder gesetzt hat, die meisten aber leider aus den Augen verloren haben.

6 replies to “Selten an der Küste

  1. Auf das Lied bin ich auch kürzlich gestoßen. Ich tue mich sonst eher ein bisschen schwer mit Annenmaykantereit, obwohl etliche Texte vor allem, richtig gut sind. Dies Lied hier mag ich freilich sehr, vom ersten Hören an.

    Die Gedanken, die Fragen, die Du hier in Deinem Eintrag thematisierst, sind immer wieder essentiell. Ich weiß manchmal nicht, ob das mehr an der Welt, wie sie ist, oder an uns liegt. – Aber, dass wir uns diese Gedanken so intensiv machen, uns diese Fragen immer wieder so stellen, das liegt an uns, das sind wir.

    Schön zu wissen immerhin, dass Du nicht und dass ich nicht, dass wir nicht allein damit sind.

    Liebste Grüße, Ines, und einen schönen 3. Advent!

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  2. Das Album bekomme ich von einem sehr guten Freund zu Weihnachten. Und im März geht es zum Konzert. Ich freu mich so.
    Das Album ist sehr melancholisch, aber gut. Ich mag die Texte. Es steckt so viel Wahrheit dahinter.

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