Experimente IV-VI

Experimente habe ich schon vor einigen Monaten angefangen. Damit bin ich immer gut gefahren. Job gekündigt, Tinder testen und einen Amerikaner daten. Vielleicht kann ich Experiment I noch einmal ergänzen und Experimente hinzufügen. Das Motto ist noch immer das Gleiche.
Spring ins kalte Wasser. Tu immer genau das, wovor du dich fürchtest.

Experiment I: Tinder (Fortsetzung)

Am Mittwochabend lag ich im Bett und habe mich gelangweilt. Komisch, wo ich doch gerade so viel zu tun habe. Für das Wesentliche hatte ich aber keine Energie mehr. Es musst also eine Beschäftigung her, die stumpf ist. Was kommt da besser in Frage, als bei Tinder ein bisschen zu swipen. In den letzten Monaten hat sich da nicht viel geändert. Es sind hauptsächlich noch immer die Klischee-Nutzer unterwegs. Ich habe genau nach einer Stunde mein Profil wieder inkognito geschaltet. In dieser Stunde hatte ich 5 Matches und das, obwohl ich KEINE Reisefotos von mir drin hatte, mich nicht als Weltenbummlerin, Instagramerin und Fotomodel verkauft hatte. Eher gegenteilig. Mein Profilbild ist nur halb zu sehen gewesen. Ich frage mich, ob die Männer bei Tinder einfach Jede liken oder ob ich damit mal was paradoxes gemacht habe, weswegen die Neugierde geweckt war. Ehrlich gesagt haben mich alle 5 auf das halbe Profilbild angesprochen. Und dann wurde es komisch.

Während ich ganz offen und ehrlich berichten wollte, dass ich Tinder nur teste, die Oberflächlichkeit und die fehlende Wertschätzung eigentlich nicht meinen Prinzipien entspricht, berichtete das Gegenüber das Selbe. Ich las Sätze wie: „Ich glaube, ich muss mich hier wieder abmelden“, „Ich bin viel zu schüchtern, um mich mit jemanden zu treffen“, „Eigentlich finde ich es cooler die Leute direkt anzusprechen“. Irgendwie machte das Tinder  und seine Nutzer ein bisschen sympathischer. Ich bin allerdings weiterhin unsichtbar geschaltet.

Experimente IV: Nein sagen

Ich war häufig schlecht im Nein sagen. Wenn ich abends, nach einem super anstrengenden Arbeitstag eine Nachricht bekomme und jemand fragt, ob ich noch mit in die Lieblingsbar möchte, um ein Radler zu trinken, kann ich meist nicht nein sagen. Das geht mir leider in vielen Bereichen so. Nein sagen hat aber auch etwas mit Selbstfürsorge zu tun. Deswegen habe ich das die letzten Monate über geübt. Und es geht mir sehr viel besser damit.

„Möchtest du vorbeikommen und das Baby kennen lernen?“
„Kannst du heute für mich die Gruppe übernehmen?“
„Kommst du mich am Wochenende besuchen?“
„Willst du mit zur Brockenwanderung kommen?“
„Kommst du noch vorbei?“

NEIN.

Experiment V: Tanzen

Einige werden jetzt lachen. Tanzen ist doch nichts, wovor man sich fürchten muss. Für mich, als etwas ängstliche und manchmal ganz schön sozialphobische Person schon. Daher war ich von mir selber überrascht, als ich am letzten Samstag in Würzburg vor unzählig unbekannten Menschen zu ziemlich schlechter Musik mitgetanzt habe. Manchmal muss das aber einfach sein. Dann fühlt sich genau das richtig an.

Experiment VI: Schlussstrich ziehen

An diesem Experiment knausere ich noch etwas herum. Dienstag habe ich versucht einen Schlussstrich zu ziehen und dem ehemaligen Lieblingsmann aus dem Weg zu gehen. (Ich sehe jetzt erst die mögliche Korrelation zu meiner erneuten Tinderanmeldung.) In dem Moment, als ich ihm dieses mitgeteilt habe, ging es mir genau für 2 Stunden richtig gut. Am nächsten Morgen habe ich ihn in der Mittagspause getroffen und meine Entscheidung geriet ins Wanken. Bisher bin ich dennoch hartnäckig, auch wenn ich jeden Tag in diese blauen Augen gucken und das freundliche Lächeln aushalten muss.

Vielleicht ist dieses Experiment das bisher schwierigste für mich. Das, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe, aber vielleicht auch das wirklich notwendigste. Denn wir haben es mit Freundschaft versucht und mit Kontaktabbrüchen und all das hat keine zufriedenstellende Lösung dargestellt. Nun musste also der Schlussstrich her, verbal und emotional.

 

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