Trampelpfade und Autobahnen

Die Steine des Schotterweges knirschen unter den Schuhen. Man könnte meinen, man gehe über viele kleine Muscheln, die unter der Sohle zerbrechen. Meine Gedanken schwirren kreuz und quer. Sie schaukeln vor und zurück. Die Zukunft liegt ausgebreitet vor mir. Jetzt musste ich mich für einen Weg entscheiden und Entscheidungen sind für meine Generation, die im Überfluss ertrinkt, ganz ungewohnt.

Diesen neuen Weg betrete ich zögerlich, das Ziel in ein paar Jahren Entfernung gesetzt. Was kann in diesen Jahren nicht noch alles dazwischenkommen: Meine Entscheidungen können falsch gewesen sein, Zwischenziele nicht erreicht werden, die ganze Richtung kann sich ändern. Aber nur auf einem Weg herumzustehen und ihn nicht zu gehen… Dafür sind Wege nicht da.

Manchmal sind die schwer erkennbar, ganz schmale Trampelpfade. Ab und zu muss man sich vielleicht sogar durch’s Unterholz schlagen, sich einen neuen Weg schaffen, Steine aus dem Weg räumen, Pausen machen. Äste zur Seite biegen, die Beine an Dornenbüschen aufkratzen, die Wunden versorgen. Und manchmal ist der Weg ganz breit. Eine Schotterstraße vielleicht. So breit, dass neben einem her einige Begleiter mitlaufen können, die in weiter Ferne das gleiche Ziel vor Augen haben. Möglicherweise biegen sie an der nächsten Kreuzung ab oder schlagen sich nach ein paar Monaten einen Weg durch’s Moor. Manchmal ist es leichter alleine zu gehen und manchmal sind Wege alleine nicht zu bewältigen.

Sie führen einen an unbekannte Orte. Mitten durch die Zukunft, die zur Gegenwart wird. Ist es schön dort, kann man verweilen. Gefällt es einem nicht, geht man weiter. Mit jedem Schritt wächst man, lernt sich selber besser kennen. Und selbst wenn man Umwege geht und dem Endziel somit (noch) nicht näher kommt, gewinnt man an Erfahrung. Wenn man dann noch etwas Glück hat und neugierig ist, lassen sich am Wegesrand einige wunderbare Sachen finden.

2 replies to “Trampelpfade und Autobahnen

  1. Schöner Text voller Bilder, voller Erfahrungen, voller Erkenntnis. In der Weise, wie es mir möglich ist, begleite ich Dich gern, liebe Ines, auch dann, wenn es durchs Unterholz gehen muss. Und für jede Wunde bin ich mit ein bisschen heilendem Sternenstaub zur Stelle.
    Was die Wegesränder betrifft, so wünsche ich Dir, dass Du viele Schätze findest, kleine aber auch große. Du hast einen wachen Blick – ich bin und bleibe zuversichtlich!

    Liebste Grüße an Dich!

    Gefällt 1 Person

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