Experiment III

Ja, ja. So langsam reicht es mit dem Experimenten. Zumindest für diesen Monat.  Ich bin genug über meinen Schatten gesprungen in den letzten zwei Wochen. Habe den Job „gekündigt“, mich bei Tinder angemeldet und nach 2 Tagen wieder deaktiviert. Aber von diesem Experiment, da muss ich einfach noch einmal berichten.

Experiment III: Einen Amerikaner daten.

Die Weinbar hat Sonntagabends zu. Na toll. Jetzt habe ich seit Jahren (oder vielleicht überhaupt zum ersten Mal) ein richtiges Date und dann hat die Weinbar zu. Eigentlich ging an dem Abend sowieso vieles schief. Ich war todmüde und befürchtete während des Gesprächs einen Gähnanfall zu bekommen-war zum Glück nicht so. Denn als ich aus dem Haus ging, war ich aufgeregt wie ein kleines Kind vor dem ersten Schultag.

An der Eisdiele haben wir uns sofort erkannt. Kein Zweifel, obwohl er nur ganz entfernt so aussieht wie auf den Fotos. Ich habe, frech wie ich bin, einfach auf Deutsch mit ihm gesprochen und tatsächlich hat er mich fast immer verstanden. Ich ihn übrigens auch. Im Grunde hat es, sobald wir das Eis in der Hand hatten und den Spaziergang starteten, angefangen zu regnen. Ich untertreibe: Zu schütten, zu stürmen und zu gewittern. Immerhin konnte ich dann direkt ein neues Wort lehren: Gruselig.

Wir flüchteten also doch noch in ein Restaurant um ein Gläschen Wein zu trinken. Eigentlich unterhielten wir uns sowieso nur über Wein. Und Essen, was man so mag und was nicht, über Reisen (unfassbar, wie viel er schon rumgekommen ist), über die Kulturunterschiede und Eigenarten der Deutschen. Und davon haben wir viele: Pünktlichkeit und erzogene Kinder sowie Hunde als Beispiel. Außerdem stellten wir fest, dass ich Arkansas mein Leben lang falsch ausgesprochen habe (woher soll man auch wissen, dass es A-Kahn-Saw gesprochen wird?!). Es war wirklich ein sehr witziger Abend. Ein Sprachwirrwarr vom feinsten und ich ertappte mich selbst dabei wie ich ab und an in meine deutschen Sätze englische Wörter einbaute.

Welches der drei Experimente mich am meisten Überwindungskraft gekostet hat, kann ich gar nicht sagen. Jedes hat mich auf seine Art und Weise herausgefordert. Das Fazit ist zumindest bisher: Schön, dass ich es gemacht habe. Ich habe es bisher nicht bereut. Man sollte nicht immer warten, bis irgendwas passiert, sondern selber das Ruder in die Hand nehmen. Manchmal bringt es wirklich etwas ins kalte Wasser zu springen und zu merken, dass es gar nicht so kalt ist. 

4 replies to “Experiment III

  1. Also ich finde Deine drei Experimente bemerkenswert mutig. Nummer 2 ist ja noch mal ein bisschen besonders, und auch das einzige, bei dem ich wirklich intensiver, und auch was die Folgenproblematik angeht, tatschlich mitempfinden kann. – Ich habe es ja letztlich selbst durchgezogen, zwar weniger als Experiment als als Notbremse, aber das ist mal nicht so wichtig.

    Die anderen beiden hätte ich mich nicht getraut. Das sage ich ganz ehrlich. Ich müsste sogar richtigerweise sagen: Habe ich mich nie getraut (auch während meiner sehr langen und letztlich wirklich einsamen Junggesellenzeit nicht) und würde ich mich noch heute nicht trauen.

    Du magst keine Draufgängerin sein, aber ein respektables Maß an Mut und Risikobereitschaft steckt auf jeden Fall in Dir, liebe Ines. – Dafür sind im Übrigen für mich, der ich Dich ja nun schon fast sieben Jahre „verfolge“, nicht nur Deine Experimente hier ein Indiz. Sondern viel VIEL mehr.

    Hoffentlich kannst Du das auch so sehen – das wäre schön, weil es eine berechtigte Basis ist, an Dich selbst zu glauben und Dich selbst zu mögen.

    Ich jedenfalls bin ziemlich fasziniert!

    Liebste Grüße ins etwas südlichere Nordeutschland zu Dir!

    Liken

    1. Danke sehr! Au ja, ich habe auch sehr viel mehr über mich gelernt und vor allem auf mein Gefühl zu vertrauen, was richtig und was falsch laufen könnte. 🙂

      Ich kann absolut nachvollziehen, dass du dieses Experiment nicht gemacht hättest. Ich glaube heute ist alles noch einmal ein bisschen anders, alles ist oberflächlicher und digitaler. Echt schlimm. Lieber mag ich es natürlich auch in der Bar angesprochen zu werden 😉
      Dadurch bist du aber noch lang kein Feigling 🙂

      Liebste Grüße!

      Gefällt 1 Person

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