Experiment II

Nein, es ist nicht wie angekündigt das Date mit einem nur englisch sprechenden Mann. Es ist etwas, was ich schon lange hätte tun sollen.

Experiment II: Kündigen.

Auf meiner Liste der „Tu-es-doch-endlich-verdammt-Dinge“ stand das schon seit Jahren drauf. Immer so im mittleren Feld. Und eigentlich weiß ich auch genau, seit wann das da steht, nämlich ziemlich genau seit zwei Jahren. Ich musste glücklicherweise nicht mal wirklich kündigen, denn mein Vertrag wird eh auslaufen. Ich habe einen neuen angeboten bekommen und mich dagegen entschieden. Somit ist es eine Fast-Kündigung.

Jeden Tag mit einer akuten Unlust und Demotivation zur Arbeit zu gehen, das kann ich nicht mehr. Niemals wird die Arbeit wertgeschätzt. Immer bekommt man nur den Zeitdruck und den Stress der Oberen mit und ab. Außerdem ist das, was ich den ganzen Tag mache, keine soziale Arbeit. Ich schleuse Leute durch. Aus dem Krankenhaus in andere Kliniken und meistens wird das Wohl der PatientInnen dabei überhaupt nicht ernst genommen. Ich merke die Einstellung und Stimmung im Team. Sie bekommen den Druck und den Anschnauzer von oben. Hauptsache der Patient wird schnell entlassen., Hauptsache ist doch, wir kriegen ihn schnell „weg“. Und am Ende sehe ich, wie genervt meine Kollegen von den PatientInnen sind-weil es „Problempatienten“ sind. Leute mit Keim oder Komorbiditäten. Menschen sind Menschen. Diese Menschen sind zusätzlich auch noch krank, hilflos, etc. Es sollte darum gehen, ihnen zu helfen und nicht darum, genervt von ihnen zu sein.

Es tut gut diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich weiß zwar nicht, wie ich mich weiterfinanzieren soll und trotzdem fühle ich mich 100x leichter als vor ein paar Wochen noch. Es ist, als hätte mir jemand eine Last von den Schultern genommen, die ich schon lange mit mir herum getragen habe. Viel zu lange. Einige meiner Kollegen wissen bereits Bescheid. Unterstützen das, freuen sich für mich. Anderen werde ich es erst nächste Woche erzählen. Morgen muss ich meine Entscheidung erst einmal dem Chef mitteilen.

Ich höre das lautlose aufatmen meiner Freunde: Endlich. Sie hat sich für den Weg entschieden, den sie fürchtet. Und hoffentlich ist es auch gleichzeitig ein Schritt in die richtige Richtung. In die des Glückicherwerdens.

 

4 replies to “Experiment II

  1. Ines! Ines ❤ – Was für ein Schritt!!!

    Und Du hast nicht bloß eine halbe Stelle gekündigt, wie ich zum Januar dieses Jahres, sondern Deine Ganze. Aus noch viel konsequenterem Grunde als ich. Ich bin perplex. "Begeistert" möchte ich nicht schreiben, weil ich nur selbst zu gut weiß, dass die Sache zwei Seiten hat. – Aber für Deinen Mut, Deine Courage und dafür, wie Du Deine Entscheidung begründet hast, MUSS ich Dich einfach mal ganz doll knuddeln!!! (Sorry!)

    Liebste Grüße an Dich!

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    1. Lieber Sternflüsterer, danke für deine Worte!
      Es ist in dem Sinne ja auch „nur“ die halbe Stelle. Aber ich hatte eben auch nur diese halbe, die restliche Zeit geht im Moment ja noch für das Studium drauf. 🙂
      Es ist ein Schritt, den man sich wirklich zweimal, dreimal oder hundertmal überlegt, bevor man es wirklich macht. Aber ich bin wirklich froh, dass ich mich so entschieden habe: Egal, was jetzt kommt. Es ist einfach für mein Ich und mein Gewissen gut 🙂

      Liebste Grüße!

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  2. Vermutlich klingt es etwas „doof“, aber ich musste tatsächlich lächeln, als ich das hier gelesen habe. Ich bin stolz auf dich!! Ich kann es einfach so gut nachvollziehen. Und zu solch einer Entscheidung gehört tatsächlich Mut. Mut, der sich in der Regel auszahlt. Wieso in irgendetwas hineinzwängen, was einen unglücklich macht? Andere mögen vielleicht den Kopf schütteln und fragen, wo denn deine Vernunft geblieben ist, aber es muss nicht immer alles vernünftig sein. Wichtig ist, dass man glücklich und gesund ist. Und mit einer Arbeit, die einen nicht erfüllt, die einen quält, da bleibt das Glück und die Gesundheit gerne auf der Strecke. Schau dich nach etwas anderem um oder investiere nun deine komplette Energie in dein Studium und bewerbe dich dann mit deinen „neuen Qualifikationen“. Wie auch immer, ich bin auf jeden Fall, wie gesagt, stolz auf dich, dass du den Mut aufgebracht und dich aus dieser Last befreit hast. Fühl dich gedrückt! ❤

    Gefällt 1 Person

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