Pakt mit dem Teufel

Meine Kamera liegt seit Wochen im Regal. Tief eingepackt in ihre Tasche. Der Akku ist längst leer. Dabei würde ich so gerne mal wieder hinaus gehen und Momente der Freude festhalten. Schneegestöber, kleine Krokusse oder lachende Gesichter. Zu all dem komme ich gerade nicht.

In dieser Woche hatte ich bisher eine Klausur, eine Poster Präsentation und zwei Abgaben von Hausarbeiten. Dann so ganz nebenbei ein achtseitiger Ethikantrag für die Masterarbeit. Morgen folgt die nächste Klausur. Mein Körper beginnt langsam Widerstand zu leisten. Er guckt sich Krankheitssymptome aus dem Umfeld ab: Übelkeit, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und dann noch diese so tiefgehende Erschöpfung. Ein bisschen muss ich ihn wohl noch triezen. Zumindest bis morgen Nachmittag. Ab dann gönne ich ihm die Ruhe.

Es wird demnach ein Wochenende gefüllt mit Nichtstun. Auf dem Sofa liegen und lernen, für die Wochen darauf. Nichts, außer lesen. Ein bisschen Spazieren gehen, wenn es das Wetter erlaubt. Morgens lange im Bett liegen bleiben. Mich vielleicht auch mal kurz bei den wenig übrig gebliebenen Freunden melden (die sehnsüchtig und wirklich tapfer darauf warten, dass ich aus meiner Versenkung auftauche). Vor allem wohl gesund werden.

Ganz nebenbei habe ich ganz nach dem Motto „tu immer genau das, wovor du dich fürchtest“, einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit mehr Stunden zugesagt. Warum? Das weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich bin ich da wieder zurück in alte Muster gefallen: Hauptsache die Sicherheit auf meiner Seite. Dabei will ich den Job eigentlich gar nicht. Wäre es die Psychiatrie, hätte ich nicht lange gezögert. Aber in einem Akutkrankenhaus (körperliche Erkrankungen), da sehe ich mich nicht viel länger, als nötig. In manchen Abteilungen ist es ganz entspannt. Ich stibitze mir zum Beispiel in der Neurologie jeden Donnerstag bei der „Kuchenvisite“ etwas von den Süßigkeiten. Wenn ich aber sehe, was in manchem Abteilungen schief läuft, will ich niemals in meinem Leben ins Krankenhaus müssen.

Genau so geteilt wie meine Meinung zu meiner Entscheidung waren auch die Reaktionen meiner Kollegen und Freunde. Während mir die einen gratulierten und demnächst mit einem Gläschen Sekt anstoßen wollen, schlugen sich andere vor den Kopf und wünschten mir herzliches Beileid. In ihren Augen (und vielleicht auch ein bisschen in meinen eigenen Augen) habe ich da den Pakt mit dem Teufel geschlossen.
Ein unbefristeter Vertrag, so sage ich mir zumindest, ist keine Pflicht für immer dort zu bleiben. Es ist in erster Linie in der Tat nur eins: Sicherheit, falls alle anderen Stricke reißen und die eigentlichen Pläne zerschlagen werden.

6 replies to “Pakt mit dem Teufel

  1. In jedem Falle den KOPF hochhalten … !
    Immer tief einatmen, auch wenn WAHNSINN mit dabei ist ( aus dem Entwurf zu einer Tagebuchnotiz ),
    dieser wird dir nicht schaden, wenn du ihn rechtzeitig spürst und sofort laut hinaus furzt – das hilft !
    LG … PachT

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  2. Wenn ich das so lese, liebe Ines, wünschte ich mir, bei Dir „um die Ecke“ zu wohnen.

    Durchaus unaufdringlich würde ich Dich ab und zu bemerken lassen, dass Du mit dem vielen, was Dich umtreibt nicht so allein bist und sein musst, wie Du es offensichtlich bist. –

    Ich wüsste sicher nicht immer eine „richtige“ Antwort auf all die Fragen, hätte auch längst nicht immer einen „patenten“ Rat, wenn Du vor Entscheidungen stehst. Und letztlich müsstest Du ja auch immer selbst antworten und entscheiden. Aber es wäre vielleicht gut, wenn Du bei all der Zeitknappheit, all dem Druck, im Lieblingscafe ganz schnell jemanden treffen könntest, der dann halt einfach „da“ wäre.

    Heute Vormittag, da ich noch frei habe, würde ich Dir eine Thermoskanne mit Deinem Lieblingstee, zwei frische Brötchen und etwas Honig an die Tür bringen. Zum gesund werden und zur Einstimmung auf Nichtstun, auf ein Stückchen Erholung für Dich.

    Sehr verständnisvolle und liebe Grüße an Dich!

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    1. Ach, ich habe fast ein bisschen geweint vor Rührung. Das ist wirklich sehr lieb von dir! 🙂 Wie schön wäre es, einfach einmal gemeinsam einen guten Tee zu trinken und zu Frühstücken. Das stelle ich mir sehr entspannt vor.

      Nun bin ich im Wochenende angekommen und versuche möglichst nichts zu tun 😉

      Ganz liebe Grüße!

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