Happier with you

Manche Menschen sind emotionaler als andere. Es gibt Leute, die weinen schnell, lachen laut, lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Ich war nie so jemand. Eher verschlossen, habe meine Gefühle und Emotionen immer gut versteckt gehalten, auch vor mir selber. Genau deswegen bin ich jetzt gerade ein emotionales Wrack. Ich habe das Gefühl in mir explodieren die Emotionen. Von den Gefühlen sind plötzlich viel zu viele da und ich werde dem nicht mehr Herr.

„‚Cause baby you look happier, you do
My friends told me one day I’ll feel it too
And until then I’ll smile to hide the truth
But I know I was happier with you“

-Ed Sheeran/Happier

Nachts be- und verarbeitet mein Unterbewusstsein all das, was ich tagsüber verdränge. Aber wenn ich es nicht verdränge, entsteht dieses Gefühlschaos in mir. Es ist eigentlich ein Teufelskreis. Nun streite ich mich Tag und Nacht mit Gefühlen, die ich für jemanden habe, der gar nicht mehr da ist. Vielleicht ist auch das das Problem. Gefühle, die ich gar nicht kenne. Die stellen sich ja nicht einmal vor. Es ist ja nicht so, dass ich sagen könnte: Halllo, ich bin Ines, schön dich kennenzulernen. Und mir würde dann jemand antworten: Hallo, ich bin die Enttäuschung, meine Eigenschaften sind xy. Nein. Da prescht so ein Gefühl direkt ins Herz, sagt weder Hallo noch Namen und verlangt immer nur. Verlangt, dass ich zuhöre und genau jetzt sofort und am besten schon vor 10 Minuten auf die Bedürfnisse eingehe. Und jedes sch*** Gefühl hat seine eigenen. Jeder was anders. Da ist die Hoffnung nicht mit dem Vermissen kompatibel. Und dann soll ich die beiden Streithälse auch noch trennen. Was um alles in der Welt ist hier eigentlich meine genaue Aufgabe?

Ich bin kein Gefühlsmensch, wie ihr seht. Gefühle überfordern mich.

4 replies to “Happier with you

  1. Du BIST ein Gefühlsmensch! Und was für einer!!!! Nur, dass Du sie nicht immer oder nicht vordergründig herauslassen kannst, beweist keineswegs das Gegenteil. Ganz und gar nicht. Weil Du sie nicht so herauszulassen vermagst, richten sie sich nach innen. Und wie sie das tun. Du spürst es doch soooo sehr. Gefühlsmenschen sind gerade oft NICHT extrovertiert.

    Das, was Du an Auseinandersetzungen mit den vielen Gefühlen uin Deinem Inneren beschreibst, liest sich für mich wie ein knallharter Sozialarbeitertag. Haben wir es da nicht auch andauernd mit den allerunterschiedlichsten Bedürfnissen zu tun, von diesem und jenem und noch einem anderen, die sich uns kaum vorstellen aber beständig einfordern, sich untereinander in die Haare kriegen. Dann sind wir als Streischlichter gefragt, als Leute, die intervenieren, die mit Geduld Wege aufzeigen, die dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen, empathisch, sensibel, in der angemessenen Balance von Nähe und Abstand, von gewähren Lassen und Bestimmtheit.

    Und während wir in und für unsere Arbeit das alles wunderbar wiussen und durchaus auch anzuwenden verstehen, sind wir mit uns selbst völlig überfordert. Wir sind unsere schlimmsten Klienten!

    Diese Erkenntnis mag Dich gerade ein wenig überraschen, ja, faszinieren vielliecht sogar, aber sie hilft nicht. Dir nicht, mir auch nicht. Es hilft uns beiden nicht. Denn wir sind uns, was die Art und Weise des inneren Brodelns unserer Gefühlskochtöpfe angeht ja irgendwie nicht so völlig unähnlich. Jedenfalls glaube ich das in den Jahren unseres zwischenzeilentlichen Kennens als hinreichend signifikant herausgefunden zu haben, liebe Ines.

    Auch das ist bestenfalls ein sehr schwacher Trost, ich weiß! – Aber immerhin … mehr habe und weiß ich freilich leider auch nicht.

    Wenn wir Hühner wären, würden wir ob unseres beständigen inneren Brodelns am Ende Rühreier legen. Das wäre vielleicht was zu Ostern … 😉

    Ich wünsche Dir eine wundervolle Osterzeit – genieße „meine“ Stadt, die Ostsee, die frechen Möwen (wir nennen die hier mitunter „Ostseehühner“ – sic!) und, wenn es irgend geht, komm‘ ein bisschen zur Ruhe, was diese so nervenden Gefühle angeht.

    In diesem Sinne, liebste Grüße an Dich!

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    1. Du hast das schon ziemlich gut verglichen. Es ist tatsächlich ein bisschen wie so ein harter Arbeitstag. Es laugt aus und eigentlich weiß man schon genau, wie man damit umzugehen hat, trotzdem ist man „Berufsblind“.

      Ich hatte wunderbare Tage an der See und hoffe sehr, dass du das von deinen hier in der Nähe meiner Heimat auch sagen kannst. 🙂

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  2. Dieser Text ist so wunderschön geschrieben. Ich erkenne mich darin so wieder. Ich bin eigentlich ein totaler Gefühlsmensch aber auch nur innerlich, ich habe nie gelernt meine Gefühle wirklich so richtig zum Ausdruck zu bringen. …momentan macht mich das auch total fertig, weil ich mit Gefühlen von vor über 20 Jahren konfrontiert werde und ich sie einfach nicht loswerde. Nachts muss ich an Menschen denken, die schon so lange nicht mehr in meinem Leben sind.

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    1. Danke, für das Kompliment 🙂
      Ich kann absolut nachvollziehen, wie es dir da manchmal geht-die Gefühle nicht richtig zum Ausdruck bringen zu können und über lang vergangene Dinge und Menschen nachdenken. Darin bin ich auch gut. Aber Gefühlsmenschen sind wir dadurch nur umso mehr 😉

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