Von Glücksmomenten und deren Fängern

Mit einer warmen Tasse schwarzen Tee stehe ich in der Küche. Schaue hinaus und sehe die kleinen Flöckchen umher wirbeln. Da ist er, der Winter. Vor meinem Fenster. Während sich jetzt die anderen Menschen eher in ihren Wohnungen verkriechen werden, werde ich meine Wintersachen raussuchen und möglichst viel draußen sein. In der Kälte. Diese, die so sehr in den Körper hineinkriecht und das Gesicht zum Brennen bringt.

An meinem Teebeutel hängt ein weiser Spruch. Ich zupfe ihn ab und lege ihn zur Seite. Das habe ich auch mit den letzten dreien gemacht. Plötzlich fällt mir auf, dass all diese Sprüche Weisheiten zum Glücklich sein sind. Alle drei.

Um glücklich zu sein, müssen wir unsere Perspektive verändern.
Um glücklich zu sein, müssen wir uns gegenseitig vertrauen.
Um glücklich zu sein, können wir uns geborgen fühlen, und doch frei.

Das sind ganz schön viele Voraussetzungen, um glücklich zu sein. Zeimal müssen wir etwas sein, um glücklich zu werden. Einmal können wir. Sollte glücklich sein nicht einfach sein? Müssen wir wirklich so viel dafür tun, um glücklich zu werden? Gibt es nicht die Möglichkeit morgens aufzustehen und einfach mal glücklich zu sein, ohne das wir dafür erst einmal die Kaffeemaschine anschmeißen müssen?

Mein Tee ist wieder einmal kalt geworden. Die Schneeflocken sind an meiner Scheibe geschmolzen. In meinem Kopf wirbeln die Gedanken umher-was brauche ich, um glücklich zu sein?
Mir reichen kleine Dinge. Unerwartete Dinge, die für mich zu kleinen Wundern werden. Früher Feierabend zu haben oder die Nachricht von einem guten Freund.

Gibt es Abstufungen von Glück? Sind wir manchmal nur ein bisschen glücklich und am nächsten Tag ganz besonders doll? Es ist wie mit Maslowsche Bedürfnishierarchie. Ganz bestimmt gibt es auch eine inoffizielle Glücks-Hierarchie. Manche Glücksmomente sind kurzweilig – wie eben der Schnee vor dem Fenster. Andere sind langanhaltend. Sie bleiben. Manchmal für immer. Doch für solche Momente braucht man meist eine zweite Person, jemand der das Glücklichsein mit dir teilt, damit es verdoppelt werden kann. Heißt das, dass einsame Menschen nie für längere Zeit glücklich werden? (Laut Spiegel Online ist Einsamkeit doppelt so schädlich wie Fettsucht, schädlicher als Alkohol- und Zigarettenkonsum und zu wenig Sport. Es ist somit gar gesundheitsschädlich.)

Glücklich zu sein ist nicht einfach. Um glücklich zu sein, muss das Leben mich positiv überraschen. Immer und immer wieder aufs Neue. Denn eigentlich sind wir alle Fänger und haschen nach jedem Moment, der für uns zum Glücksmoment werden kann. Wir sammeln sie in imaginären Marmeladengläsern, erinnern uns daran zurück und seufzen melancholisch. Manche Momente haben viele Gebrauchsspuren vom vielen hervorholen. Andere sind so klein, dass wir sie schnell wieder vergessen.

Glücklich sein entsteht im Herzen. Glücklich sein ist ein Kinderspiel und gleichzeitig die schwierigste Aufgabe des Lebens.

2 replies to “Von Glücksmomenten und deren Fängern

  1. Ich frage mich immer, wann jemand wirklich einsam ist. Ich habe mich auch schon oft gefragt, ob und wann ich einsam war oder bin. Es gibt darauf so viele Antworten.

    Ich kann unter vielen Menschen unendlich einsam sein. Ich kann auch neben einem einzigen Menschen besonders einsam sein. Und es kann sein, dass ich ganz allein bin, aber gar nicht einsam. – Noch ein anderer Aspekt ist, wann und wie ich mich einsam FÜHLE (unabhängig davon, ob ich es wirklich bin oder nicht) und was ich als Einsamkeit EMPFINDE.

    Sicher ist für mich nur eins: Wenn ich mich einsam fühle, dann tut das immer weh. – Es tut sogar dann weh, wenn ich Glück empfinde. Denn auch das geht, dass da glückliche Momente sind, die die Einsamkeit nicht erlöschen, nicht verschwinden lassen.

    Glücklich sein. Ich denke, das geht tatsächlich nur über die „kleinen Dinge“, das geht über „sich bewusst werden“, wo überall ein bisschen Heimat für das Ich verborgen liegen kann. Wenn man einsam ist, wenn man sich einsam fühlt, übersieht man leicht viel davon. – Sich danach doch immer wieder auf die Suche zu machen, ist wahrscheinlich der einzig mögliche Weg, die einzige wirkliche Hoffnung, dass die Einsamkeit nicht ständig so spürbar ist, dass sie vielleicht doch nach und nach vergeht.

    Das „auf der Suche bleiben“ nie aufgeben, das ist mir zu meiner wichtigsten, überlebenswichtigsten Maxime geworden. Und ich kann Dir aus eigenem Erfahren sagen, liebe Ines: Man erfährt Lohn für das fortgesetzte Suchen. Wirklich!

    *

    Mach Dir keine Sorgen, wegen der Wirkung Deinesgestrigen Eintrags auf muich. Er hat mich schon serh aufgewühlt, aber das Nachdenken darüber hat mir gut getan. Ich glaube, ich schaffe es, mich zu sammeln, und Dir dann ganz bald „intern“ etwas mehr zu schreiben.

    Liebe, sternflüsternde Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Das stimmt. Einsamkeit kann sich so unterschiedlich zeigen! Mir geht es da wohl ähnlich: Ich fühle mich auch eher in großen Gruppen einsam als z.B. dann, wenn ich ganz alleine bin.
      Glücksmomente lindern nur den Schmerz der Einsamkeit, aber manchmal reichen sie tatsächlich nicht aus, um die Einsamkeit komplett verschwinden zu lassen. Auch hier geht es mir so wie dir. Ich kann glücklich und gleichzeitig einsam sein.

      Dann werde ich weiter suchen. Immer weiter und weiter, nach den schönen Dingen des Lebens. Die, die langanhaltendes Glück versprechen werden. (:

      Allerliebste Grüße an dich! (:

      Gefällt 2 Personen

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