Einfach machen

Der Boden ist klitschnass. Meine Schuhe rutschen über das Moos. Während ich umher strauchle halte ich mich an Ästen von kleinen Bäumen fest. Der Pfad führt mich zu den Felsen hin. Dahin, wo ich sein will. Da, wo ich mich trotz Nieselregel bis auf den höchsten Fels prügle und mich setze. Denn von hier habe ich einen anderen Blick auf die Welt. Dies ist der Spielplatz für die coolen Kinder. Das hier ist Draußen und manchmal bin ich da mehr zuhause als drinnen.

Diese Stille habe ich gebraucht. Weg von den Menschen, weg von der Stadt. Weg von allem, was mich in den letzten Tagen eingeholt hat und was ich so krampfhaft versuche zu vergessen. Phasenweise klappt das und trotzdem kommt es immer wieder zu mir zurück. Morgens, wenn ich aus dem Schlaf erwache. Abends, wenn ich meine plötzlich viel zu stille Wohnung betrete. Mittags, wenn ich mir einen Tee koche oder mit Freunden im Auto umherfahre. Selbst in den Momenten, wenn ich am wenigstens damit rechne.

Hier draußen darf es mich einholen. Wenn es einen Ort gibt, an dem ich mich mit all dem auseinandersetzen kann, dann hier. Nur genau hier bleibt es weg. So, als würde ich ein Schutzschild tragen.

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Vor ein paar Tagen hatte ich einen Werbezettel im Briefkasten:
Sollte. Könnte. Würde.
MACHEN!

Ich habe mir gedacht: Cool, machste! Du warst nie wer, der beim Handeln viel nachgedacht hat.
Zugegeben, ich halte es bis heute nicht ein. Ich bin einfach zu feige, um einfach Dinge zu machen. Immer wieder muss ich dann erst einmal alle Szenarien im Kopf durchgehen. Worst-Case und so. Ab morgen mach‘ ich einfach mal. Ohne sollte, könnte, würde. Gerade ist es ja eh egal, was bei rauskommt. Wenn es so nicht weitergehen kann, ist es auch nicht tragisch, wenn das Einfach-Machen schief geht. Einfach machen hilft vielleicht auch für’s einfacher machen.

4 replies to “Einfach machen

  1. Das Foto ist sehr schön. Dein Text irgendwie auch. Auch, weil er ein bisschen „geheimnisvoll“ endet.

    Mir geht es ähnlich wie Dir, einfach „machen“ schaffe ich grundsätzlich nicht. So manches habe ich noch nie geschafft … Die Gründe sind wohl den Deinen ein bisschen verwandt.

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass das „einfach machen“ Dir gut tut, Dir etwas bringt, was Dich wieder mehr Freude empfinden lässt.

    In diesem Sinne sternflüsternde Grüße an Dich, liebe Ines!

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    1. Danke (:
      Wir sind eben unsichere, ängstliche Nachdenker. Vielleicht ist es aber auch gar nicht schlimm, wenn wir nicht immer alles sofort einfach machen. Nur in den richtigen Momenten sollten wir handeln, anstatt lange nachzudenken.
      Liebste Grüße an dich! Und einen schönen Abend.

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