Denker und Handler

„Genial um die Ecke gedacht.“
– „Wer eh schon viel nachdenkt, der kann auch gut um Ecken denken.“
„Verkompliziert die Sache meist unnötig.“

Um die Ecke denken: Ist das etwas, wofür es eigentlich auch noch ein weiteres Synonym gibt? Frauen denken ja bekanntlich öfter um Ecken, als es Männer tun. Kompliziert eben. So wie mir im Dialog da oben einfach gesagt wurde. Wir machen es uns schwer. Mit welchem Grund? Weil es sonst zu einfach wäre.

Es gibt Nachdenker und Impulshandler. Sie unterscheiden sich voneinander wie Tag und Nacht. Die Nachdenker, zu denen ich mich durchaus auch zähle, müssen erst einmal alle Möglichkeiten durchgehen. Da wird dann erst einmal überlegt, ob nicht doch der Regenschirm eingesteckt werden sollte. Sieht zwar nicht nach Regen aus, aber wer weiß, was alles passieren kann. Um die Ecke gedacht ist es ja auch sinnvoll einen dabei zu haben-zur Not kann man damit nämlich auch Angreifer verprügeln. Impulshandler schauen sich nicht einmal das Wetter an. Sie gehen einfach raus. Ohne über irgendetwas nachzudenken, vor allem nicht über mögliche Angreifer.

Nachdenker sind meist auch Entscheidungslegastheniker. Ich zum Beispiel bin bei mehreren Alternativen schon ziemlich überfordert. Wenn mir jemand morgens zwei Gläser Marmelade, Nutella, drei verschiedenen Sorten Käse und dann noch das Glas Honig hinstellt, weiß ich einfach nicht, was ich aufs Brötchen schmieren soll. Um die Ecke gedacht, muss ich ja auch erst mal schauen, wo am wenigsten drin ist, damit ich dann entscheiden kann, was ich problemlos essen kann, ohne später noch einkaufen gehen zu müssen. Während ich dann irgendwann das Marmeladenglas aufschraube, hat der Impulshandler sein Frühstück schon aufgegessen.

Nachdenker sind nicht so multitaskingfähig, wie die Impulshandler. Die machen nämlich einfach und erledigen dann parallel zueinander zehn Sachen, während sich der Nachdenker erst einmal eine Liste schreibt, was noch getan werden muss und vor allem wann und ob das zeitlich alles passt. Impulshandler hingegen hinterfragen nicht so viel. Weil sie sich darüber einfach keine Gedanken machen. Da ist es egal, warum der Typ kein Namensschild am Briefkasten hat, dann wird das eben in den daneben geworfen-kommt schon an. Der Nachdenker legt es dann lieber direkt vor die Haustür und fragt sich, wieso das Schild fehlt. Vielleicht ist der Kerl ja im Zeugenschutzprogramm oder wohnt als Mietnormade dort.

Eine Mischung aus beidem wäre ideal. Ein bisschen mehr nachdenken beim Impulshandeln und ein bisschen mehr impulsiv handeln, beim Nachdenken. Das wünsche ich mir manchmal. Aber was, wenn der Impulshandler plötzlich bei jeder Handlung nachdenkt, ob er auch ja das Richtige macht und wenn der Nachdenker plötzlich zu impulsiv handelt? Damit kämen die Personen wohl gar nicht klar, Chaos würde entstehen, Dinge nur noch halb oder viel zu spät erledigt werden. Aber vielleicht denke ich hier auch schon wieder zu sehr um die Ecke.

2 replies to “Denker und Handler

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