Home now, end of the night (James Bay)

Hört her, liebe Menschen, ein Konzert! Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ein Konzertbesuch. Normalerweise wäre ich vor Freude verrückt geworden, hätte mich den ganzen Tag darauf gefreut, mich endlich wieder verzaubern zu lassen. Ich, immer noch ein bisschen geschwächt, meine beste Freundin vom Arbeiten müde. Wir hatten so viel Zeit zum Totschlagen, denn das Konzert sollte erst um 23 Uhr beginnen. Bis dahin waren wir fast eingeschlafen-nur die Kälte draußen hielt uns wach.

In der Halle allerdings war’s voll und stickig. Alle anderen Menschen hellwach und erfreut, endlich den Klängen zu lauschen. Mit den ersten Tönen aus James Bays Gitarre wurde auch ich wieder lebendiger. Wie viele Gitarren hat dieser Mann? Gefühlt wechselte er diese nach jedem Lied. Die Freude war zurück, die Müdigkeit (beinahe) vergessen.

Da stand also dieser dünne, schlaksige, recht kleine Mann auf der Bühne. Mit Gitarre, Hut und langen Haaren. Vor allem aber mit einer Arroganz, die nur Menschen ausstrahlen können, die von sich überzeugt sind und die etwas erreicht haben. Ein bisschen hatte es den Anschein, als wäre er auf Drogen. Vielleicht war er ja tatsächlich in einem Rausch – es schien, als gäbe es nur ihn, seine Stimme und seine Gitarre. Paradoxerweise machte ihn seine Arroganz eher sympathisch. Wie schaffen Musiker das nur?

Diese Stimme ist einzigartig. (Ja, habe ich auch schon über Ed Sheeran und Mike Rosenberg gesagt, aber die sind halt alle einzigartig!) Er wechselt von glasklaren hohen Tönen hin zu kratzigen in einer halben Sekunde. Nie vorher so etwas gehört (außer bei oben genannten). Live noch viel bewegender als auf einem Tonband. Geht tief ins Herz, diese Stimme. Da bleibt sie dann. Eventuell sogar tagelang. Sein Schlafzimmerblick, den er sicher vorm Spiegel geübt hat, fügt die letzten Teile des Zauberpuzzles zusammen. Magisch. Auch die hohen Wangenknochen. „Hach, ist der schön!“, hört man die Teenies tuscheln. Von weitem sieht er ein bisschen aus wie Kristen Stewart, wie P. treffend feststellte.

Das Album hatte ich eh schon die ganzen letzten Monate rauf und runter gehört. Nicht nur wegen der Stimme, auch wegen der Texte. „Let it go“ war schon eins meiner Lieblingslieder, bevor es nun in den Radios gespielt wird. Auch „Craving“ und „If you ever want to be in love“ sind Songs, die selbst nach dem 5.000x hören nicht schlechter werden.

Wenn jemand auf der Bühne steht und vollkommen darin aufgeht, dann überzeugt er mich meist sowieso schon. James Bay kann das. Der ist so überzeugend wie Käsekuchen-da kann ich nicht nein sagen. Fast ein bisschen so sehr, dass ich hoffen würde, dass die Coolness, die ihn so einhüllt ein bisschen abfärbt. Oder eben, dass wenigstens seine Stimme noch ein paar Tage länger in meinen Erinnerungen klebt. Wärmstens zu empfehlen, der gute Brite.

4 replies to “Home now, end of the night (James Bay)

  1. Herrlich, dieser Mann, oder?
    Er war die Vorband beim Taylor Swift Konzert und er ging so auf in seiner Musik. Er hatte einen solchen Spaß. Ist das nicht wahnsinnig mit anzusehen?
    Während der halben Stunde, die er spielte, hatte ich sofort das Bedürfnis, eine Geschichte über ihn zu schreiben (weil das wahnsinniger Weise ja meine Art ist, mich in das Leben wunderbarer Menschen zu schleichen und weil Musiker mich irgendwie immer auf diese Weise entwaffnen).
    Die Geschichte ist auch entstanden, aber so richtig viel Szenen, in denen er einfach mal in seiner Musik aufgehen kann, wird es nicht geben. Vor allem wird es tragisch. Aber na ja, was erwartet man auch sonst von mir?
    Immerhin auf Englisch ist die Story. Das wird dem wunderbaren Briten dort oben gewisser Maßen dann vielleicht doch noch gerecht.

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    1. Einfach super. Bin immer noch sehr am Schwärmen. Leider ging das Konzert auch nur eine Stunde, aber die hat er voll ausgenutzt, hat sich absolut gelohnt. (:
      Da haben wir wieder eine Gemeinsamkeit: Musiker mit ihren Geschichten faszinieren mich auch besonders! In San Francisco haben wir auf der Straße Tagebücher eines Musikers gefunden-wir konnten sie nicht liegen lassen und bis heute macht es mich ganz verrückt, nicht zu wissen, wer hinter diesen Worten steckt.
      Hab einen schönen Sonntag!

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  2. Das mit der Müdigkeit vor Konzerten hab ich inzwischen auch..früher konnte man es kaum erwarten endlich loszufahren, um vor der Halle (oftmals auch in der Kälte) nochmal gefühlte Ewigkeiten zu warten und der Vorfreude ausgiebig zu fröhnen bis endlich die Türen geöffnet werden. Heute denk ich mir: „Wann ist Einlass? So langevorher? Und Beginn? Achja, dann reicht es ja, wenn wir kurz nach dem angegebenen Beginn da sind“ und muss mich extrem motivieren nicht einfach auf der Couch sitzen zu bleiben und das Konzert ohne mich stattfinden zu lassen. Aber nach einem Konzert bin ich immer noch so seelig wie früher. :3

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