Pfeffer & Salz in der Gerüchteküche

Tratsch- und Klatschtanten. Diese ollen Gerüchte. Kleine, fiese Dinger sind das. Sie werden von Mund zu Mund weitergegeben. Anfangs ist da vielleicht noch etwas wahres dran, aber umso häufiger sie durch Münder wandern, desto falscher werden sie. Ja, es gibt eine Steigerung von falsch in diesem Fall. Jeder dichtet etwas dazu, bringt seine subjektive Sicht mit ein. Und irgendwann dann, wenn nur noch ein winzig kleiner Funken Wahrheit an der Geschichte ist, genau dann kommt das Gerücht erst bei dir selber an. Wieso erfährt man davon immer als letztes?

Sie quetschen sich durch jede Tür, finden jedes Ohr, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Und du selbst schaust jeden Tag den Kollegen und Bekannten in die Augen, lächelst und nickst ahnungslos, während sie sich das Maul über dich zerreißen. Gerüchte können so einiges kaputt machen. Sie können zerstören.

Menschen möchten sich selten mit sich selbst auseinandersetzen. Es ist ja auch viel einfacher über die Beziehung eines anderen zu reden, als über die Probleme, die sich im eigenen Wohnzimmer stapeln. Jeder trägt nach außen diese Sicherheit. „Alles gut. Mir geht’s bestens. Mein Leben läuft einwandfrei.“ Und dann liegst du abends im Bett, neben dir die kleinen Gespenster, die einen wachhalten. Die Sorge um die Gesundheit, die Angst vor Verlusten, Existenzängste. Alles geistert um dich herum, hält dich wach, schnürt dir die Brust zu, lässt dich aus dem Schlaf hochschrecken. Und am nächsten Morgen stehst du da: Alles ist gut. Keine Sorge. Während alle anderen deine Unsicherheit schon gespürt, sich ihre eigene Geschichte dazu erdichtet haben und Gerüchte streuen. Ahnungslos blickst du in die Augen und in das falsche Lächeln deiner Kollegen und Bekannten.

Es bringt nichts den Herd dieser Gerüchteküche auszumachen. Ihn auszudrehen, wenn schon tausend Köche in dieser Suppe kochen. Jeder sein eigenes Gewürz hineinstreut. Du stehst da, mit offenem Mund, fragst dich, wieso alle über dich reden, aber keiner mit dir. Weil sie die Wahrheit nicht verkraften? Ist die Wahrheit zu langweilig?

Ein gutes Gerücht braucht Pfeffer und Salz. Ein gutes Gerücht verbreitet sich umso schneller, wenn die Beteiligten davon nichts wissen oder gar alles abstreiten. Herr Pfeffer und Frau Salz sind ahnungslos. Jetzt wo das Gerücht durchsickert, bleibt hier nur Wut. Vielleicht wollen das die Menschen erreichen: Distanz zwischen Pfeffer und Salz bringen. Gelingt. Vor allem dann, wenn Herr Pfeffer aus Eigeninitiative agiert, vielleicht gar das Gerücht selbst gestreut hat.

8 replies to “Pfeffer & Salz in der Gerüchteküche

  1. Gerüchte, Tratsch, sind schlimm. Je mehr sie gehegt und gepflegt werden, um so verletzender werden sie. Ich wünschte mir, es gäbe Gegengewürze gegen diese elende Klatscherei. Coolness wäre vielleicht eins, aber davon haben wir wohl beide nicht so sonderlich viel, nicht wahr, liebe Ines?

    Aber ich habe allerliebste Grüße für Dich!

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    1. Mit Coolness kann ich meist nicht aufwarten, gerade wenn sich andere Leute Lügen über mich erzählen. Aber oft kommt dann Wut, Trotz und Ignoranz. Vielleicht nicht das beste Gegengewürz, aber es ist immerhin ein Versuch.
      Die besten Grüße an dich! (:

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  2. Das mit diesen Gerüchten ist ungefähr so, wie das Spiel „Stille Post“. Am Ende kommt was ganz was anderes raus, als ursprünglich die Wahrheit war. Da äußert jemand eine Vermutung, der Nächste baut diese Vermutung aus, der Dritte sieht es schon als Fakt und der Vierte überhört nur ein Wort und erzählt es schon wieder anders weiter. Der Rattenschwanz wird dann so mitgezogen, wird immer länger und länger. Anstatt dass jemand die Fresse aufmacht und mal nachfrägt, wie es denn wirklich ist, wird einfach der Rattenschwanz weiter gezogen, nebenbei hinterfotzig ins Gesicht gelächelt. Merkt man, dass ich sowas nicht packe? Aber das Leben anderer muss schon arg langweilig sein, wenn sie nichts besseres zu tun haben, als über das Leben anderer zu spekulieren und sogar noch Dinge dazu zu dichten. Womöglich wird es sowas aber immer geben.

    Fühl dich gedrückt! Lass dich von so Plaudermäuler nicht unterbekommen.

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    1. Es ist schrecklich, was für kuriose Geschichten da entstehen können. Märchen. Immer ein klein bisschen wahr und der Rest alles erfunden.
      Leider kann man da tatsächlich nicht viel gegen machen. Einfach aushalten und sich möglichst wenig anmerken lassen…

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  3. Mir tun die meisten Menschen leid, die sich als Köche in dieser Art von Küche verstehen.
    Wie langweilig, wie einseitig, wie öde muss dein Leben sein, um dich so sehr in das Leben eines Anderen involvieren zu lassen. Und das noch in solch belanglosen Themen. Wer mit wem geschlafen hat, wo wie Schluss gemacht wurde, was diese oder jener letztens getragen hat.
    Eine Kollegin schrieb mir – In jeder Minute, die wir damit verbringen, uns aufzuregen, verschwenden wir 60 glückliche Sekunden.
    Wie schade, sich vorzustellen, dass manche Menschen noch viel mehr Minuten damit verschwenden, sich von den wirklich wichtigen Dingen ablenken zu lassen. Von den vielen Themen, in denen ihre Energie sinnvoller aufbewahrt wäre.

    Die wahren Opfer sind nicht die, über die gesprochen wird [auch wenn ich dir natürlich nicht abspreche, dir fürchterlich zu fühlen und verraten, hintergangen und belogen – all das ist richtig und ist legitim], sondern die, die keine interessanteren Gesprächsthemen kennen.
    Du kannst dir gewiss sein, etwas richtig gemacht zu haben – allein dadurch, dass du den Mut hattest, etwas (was auch immer es sein mag) zu tun. Etwas, über das es sich offensichtlich zu reden lohnt.

    Wie ein Patient heute zu mir sagte – aber Kopf hoch, sonst fällt dein Krönchen runter.
    Ich hoffe, du hast einen schönen Tag und noch ein schöneres Wochenende.

    Liebe Grüße, Kira

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    1. Da gebe ich dir absolut Recht. Wir sollten uns eigentlich gar nicht so den Kopf darüber zerbrechen-auch nicht darüber, was andere reden oder denken, denn man lebt ja nur für sich. (:
      Danke für die mutmachenden Worte!
      Ein wunderbares Wochenende wünsche ich dir auch, liebste Grüße!

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