Kleine Verzichte

Verzichte doch mal. Steck‘ zurück.

Ich war schon immer gut im Verzichten. Nie wieder Fleisch essen, weil dafür Tiere gequält werden und die Umwelt darunter leidet? Gute Gründe, dann ess‘ ich also statt einer Scheibe Salami in der Woche gar keine mehr. Mittlerweile seit sieben Jahren.
Manche Verzichte fallen mir jedoch schwerer: Kein Auslandssemester gemacht zu haben, weil kein Geld da war, zum Beispiel. Ok, dann ist das eben so, allerdings ärgert mich das bis heute.

Solche Verzichte wurmen mich. Solche, die ich nicht selbst entscheiden kann. Beispielsweise kann ich seit einem Monat keinen Kaffee mit Koffein mehr trinken. Nachdem ich so viel davon konsumiert hatte, dass mein Blut quasi zu 50% aus Latte Macchiatto bestand, musste ich von heute auf morgen darauf verzichten. Klar, dass mein Körper damit nicht wirklich glücklich war, laut „nö, nicht mit mir!“ schrie und weiter danach verlangte. Die Nachwirkungen nach dem Konsum von Kaffee ist allerdings schlimmer als der Verzicht auf diesen. Ich habe übrigens mit dem Kaffeekonsum übertrieben. Nie ein großer Kaffeetrinker gewesen, trotzdem fühlte es sich nach Entzug an.

Wie abhängig man von etwas ist, merkt man immer erst dann, wenn man darauf verzichten muss. Begründet man mir die Verzichte nur gut genug, habe ich keine Probleme damit. Anderen Menschen fällt das nicht ganz so leicht. Es fehlt ihnen ja schon teilweise das Einfühlungsvermögen, warum jemand anderes auf etwas bestimmtes verzichtet.
Bin ich also zu leicht manipulierbar oder lebe ich gar zu einfach? Gibt es Dinge auf die ich wirklich nicht verzichten könnte?

Eher dann, wenn ich mein Herz schon an diese eine Sache verschenkt habe. Ich könnte niemals auf’s Klettern verzichten, niemals darauf die Welt zu bereisen. Denke ich, aber was ist wenn ich gesundheitsbedingt all das nicht mehr machen kann? Würde ich dann glücklich werden und etwas anderes finden? Einen Verzichtsausgleich.
Ich könnte niemals darauf verzichten, mit bestimmten Leuten in Kontakt zu bleiben. Wenn ich mich von ihnen fernhalten müsste, jegliche Beziehungen kappen müsste, dann könnte ich das nicht. Ich würde es hinbekommen, aber nicht glücklich damit sein. Doch dieser Punkt kommt immer irgendwann. Ist es daher sinnvoller sich direkt auf Distanz zu halten? Sich nicht mehr in eine Sache reinzuknien oder sich an eine Person zu kletten?

Worauf könntet ihr nie verzichten oder ist es gar so, dass ihr zu allen Verzichten einen Ausgleich finden würdet?

2 replies to “Kleine Verzichte

  1. Bei gewissen Dingen fragt das Leben gar nicht lange, ob man mit diesem Verzicht klar kommen würde oder nicht, man wird einfach dazu gezwungen, dass man darauf verzichten muss.
    Ich denke, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und man sich nach einer gewissen Zeit an alles gewöhnen kann, wenn man auch selbst einsieht, dass es nun einfach so ist. Da du ja mittlerweile weist, dass ich nicht auf der Stellen treten kann und einen gewissen Vorschritt brauche, merken muss, dass sich etwas vorwärts bewegt, würde ich mir versuchen das Beste daraus zu machen. Immer mit einem kleinen Weinen im Herzen, aber es geht weiter. So musste ich wegen unachtsamen Verhalten eines Traktorfahrers meine Liebe zum Fußballspielen und tanzen aufgeben. Stattdessen habe ich mich neu umgeschaut und das Schwimmen für mich entdeckt. Mein ehemals bester Freund hat sich aus unerklärlichen Gründen von mir abgewandt. Ich habe mich nach einer gewissen Zeit damit arrangiert und akzeptiert, dass das Schicksal anscheinend nicht möchte, dass unsere Geschichte weiter geschrieben wird. Andere Menschen wurden mir einfach so genommen, was mein Herz und mein Kopf nie verstehen wird, trotzdem muss es weiter gehen, weil auch diese Menschen wollen würden, dass es weiter geht. Ich liebe Orangen/Orangensaft und alles was damit zu tun hat, aber anscheinend mag mein Körper mich austricksen und mich damit ärgern, dass ich darauf in Zukunft verzichten muss.
    Es geht weiter, die Erde dreht sich weiter. Wenn man sich nicht selbst kaputt machen möchte, bleibt nur akzeptieren und weiter gehen.

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, dann kennst du diese Verzichte ja auch sehr gut. Die, die das Leben so zaubert und man einfach damit klar kommen muss. Schön, dass du bisher so gute Ausgleiche und Alternativen gefunden hast. Mit Alternativen kann man ganz gut leben, finde ich. Sie sind zwar meist nie ganz so schön wie das Original, aber eben auf andere Art und Weise schön. (:
      Sehr schlimm finde ich es, wenn es grundlos passiert und man eigentlich gar nicht weiß, wie einem geschieht. ):
      Mach weiter so, weiterhin alles genießen was kommt und wenn es sich dann eben ändert, das beste draus machen!

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