Luftnot

Es gibt Tage und vor allem Abende, an denen droht man zu ersticken. Dann fühle ich mich wie die Maus unter dem Elefantenfuß. Klein, zerbrechlich, atemlos. Die Zukunftsängste machen das. Sie thronen vor mir auf. Sie stehen mir ins Gesicht geschrieben. Sie überrollen mich am Abend. Heimlich kreisen sie um mich herum, warten auf den Schutz der Dunkelheit und überfallen mich im Schlaf.

Konzentrieren aufs Atmen und beruhigen. Mein Körper und meine Psyche symbolisieren mir oft, dass es so nicht weitergehen kann. Das ich mir zu viel auf die schmalen Schultern lade. Und ich versuche immer auf sie zu hören. Denn sie haben Recht, nur sie wissen was gut ist.

Nachts aus dem Schlaf hochgeschreckt, mit Schwindel auf der Bettkante. Der nächste Tag ist verloren, ich bin zu gerädert. Das Nein-Sagen fällt mir schwer. Kannst du nicht noch dies machen? Mach doch bitte noch das. Ja, kann ich, mach ich, will ich aber vielleicht gar nicht. Dann drehe ich mich im Kreis, auf der Stelle und schaffe mich selbst nicht mehr zu tragen.

Irgendwie bin ich in diesen Strudel hineingerutscht. Es zieht mich abwärts. Immer schneller, immer tiefer. Ich habe mir eins vorgenommen: Ab Morgen habe ich die Ruhe weg. Ich trete etwas zurück, mach mir nicht mehr so viele Gedanken, lass mich nicht mehr stressen, sage auch mal ab.
Wenn ich etwas mal nicht schaffe-ja, und? Wenn ich mal etwas verpasse-ja, und? Besser mal andere enttäuschen, als sich selbst immer hintenanzustellen.

Nach dem kurzen Tag morgen warten eine Geburtstagsfeierei und drei freie Tage. An denen ich nichts tun werde, außer das, was ich wirklich mal brauche. Nämlich liegen. Luft holen und mal ohne Probleme frei atmen können.

7 replies to “Luftnot

  1. Liebe Ines, pass bitte, bitte auf Dich auf. Es darf auf keinen Fall bei Dir jetzt schon das anfangen, was mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe.

    Du bist ein herzensguter, einfühlsamer und sich deshalb gewiss nicht schonender Mensch, schon gar nicht, wenn es um die Linderung von Leid anderer und um Hilfe geht.

    Die Art wie Du mich schon so lange begleitest, lässt keine andere Einschätzung zu.

    Hab‘ drei schöne, Dir Atem, Wärme, Besinnung schenkende Tage und danach eine bessere, für Dich gesündere Zeit als die, die Du jetzt durchgemacht hast.

    In diesem Sinne liebe, liebe Grüße!

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    1. Ich weiß, dass ich ein bisschen mehr drauf achten muss, aber ich habe mich schon etwas gebessert. Ich kann mich mittlerweile besser abgrenzen und rege mich weniger über Menschen auf, die unänderbar nervig sind. 😉

      Diese drei wunderbaren, freien Tage, die wünsch ich dir auch-vom ganzen Herzen. Hab eine schöne Zeit!
      Die allerliebsten Grüße send‘ ich dir.

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  2. Gönn dir diese Auszeit und hoffentlich kannst du deine Vorsätze durchhalten. „Nein“ ist so ein kurzes Wort, das normalerweise so schnell über die Lippen kommen könnte, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, was du dir dabei denkst, wenn doch dieses noch kürzere „ja“ herauskommt. Schieben wir es darauf, dass es eine „Arbeitsplatzkrankheit“ ist 😉
    Bitte pass auf dich auf, dass du dich selbst nicht zu oft vergisst!

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    1. Es ist wirklich verrückt, wie kurz die wichtigsten Wörter sind und wie viel Überwindung es manchmal kostet, diese auszusprechen.
      Eine Arbeitsplatzkrankheit-das ist sehr treffend. (:

      Heute mache ich mal wirklich nichts. Einfach nur lesen und rumliegen und Tee trinken und aus dem Fenster schauen. Ich schätze es kostet mich viel Überwindung nicht doch was für meine Abschlussarbeit zu schreiben. Aber so ein „fauler“ Ruhetag muss einfach mal sein.

      Bitte pass du genau so gut auf dich auf, denn ich weiß ja, wie anstrengend dieses Berufsfeld ist und wie schnell man sich übermütig in irgendetwas reinstürzt. Also: Immer schön mit Ruhe und Gemütlichkeit! (:

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      1. Gönn dir diesen heutigen Tag. Es ist wirklich wichtig.
        Und vielleicht stellst du dich mal vor den Spiegel und sagst 20x hintereinander „nein“, vielleicht fällt es dann das nächste Mal leichter „nein“ zu sagen. Keine Ahnung obs funktioniert, aber es wird ja auch behauptet, dass man ein gewisses Selbstbewusstsein aufbaut, wenn man seinem Spiegelbild ein Weilchen direkt in die Augen sieht und sich nebenbei selbst Komplimente macht.

        Wir könnten es eigentlich ja wieder beide als Vorsatz nehmen und es zusammen umsetzen. Hat bei dem „Am neuen Arbeitsplatz eingewöhnen“ ja auch ganz gut geklappt (:

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