Ein Viertel Jahrhundert

Die Vorweihnachtszeit ist im vollen Gange. Millionen Menschen drängeln sich in den Innenstädten um kleine Holzbuden herum. Sie trinken heißen Wein, ihre Füße eingefroren, die Nasen rot, die Augen glitzernd. In den Geschäften tobt die Hölle. Jeder sucht nach den passenden Geschenken, möglichst schnell, möglichst alle auf einmal kaufen. Doch es ist nicht nur die Zeit der Hektik, des Tannengeruchs und des Alkoholtrinkens am Morgen. Es ist auch die Zeit der Geburtstage. Und meine Freunde fühlen sich alt.

Manchmal frage ich mich, ob sich nur die Menschen alt fühlen, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Die, die dann mit 20, mit 25, mit 30 Jahren da stehen und denken: Was habe ich eigentlich erreicht? Wo will ich eigentlich hin?
Ich mache mir keine Gedanken darüber. Ich fühle mich nicht alt. Und das nicht nur deswegen, weil ich ein bis drei Jahre jünger bin, als die anderen. Was macht ein Jahr schon aus: Ich sehe darin keinen Unterschied, ob ich dreiundzwanzig oder vierundzwanzig bin.

Vielleicht liegt das ein bisschen daran, mit welchen Menschen man sich umgibt. Hat man ältere Freunde, vielleicht Anfang 30, die noch immer genauso leben, wie vor 5 Jahren, verbindet man das Alter nicht mit Makeln.
Viele machen sich Pläne, wie das Leben zu sein hat. Wie es werden soll. Was man selbst erreichen möchte. Es gibt keine Zeitspanne, sie fahren sich fest, bekommen Panik, fühlen sich alt. Das Leben entscheidet, welche Pläne wann und wie erfüllt werden. Auch wenn sie mit den eigenen nichts zu tun haben.

„Life is what happens to you, while you’re busy making other plans.“
-John Lennon

Was wird alles irgendwann nicht mehr getan oder umgesetzt, weil man sich zu alt dafür fühlt? Nach dem Motto: Mist, jetzt bin ich schon so alt, jetzt kann ich mich von meiner Freundin auch nicht mehr trennen, dann finde ich keine neue mehr. Mist, jetzt bin ich schon so alt, was ist wenn ich auf der Reise krank werde. Mist, jetzt bin ich schon so alt, jetzt brauch ich auch kein eigenes Haus mehr kaufen; jetzt bin ich zu alt für den Job; jetzt traue ich mir das gar nicht mehr zu.  Mist, jetzt bin ich zu alt.

1/4 Jahrhundert. Ja, das klingt vielleicht im ersten Moment alt, aber da sind noch immer 3/4 auszufüllen. Und wenn man zurückblickt auf die ersten 25 Jahre, dann sieht man doch all die Erlebnisse, die in diesem ersten Lebensabschnitt passiert sind. Mehr oder weniger erwachsen geworden. Wenn man noch immer doppelt so lange hat, dann reicht die Zeit doch aus, um alles zu machen, was man sich vorgenommen hat. Zu heiraten, Kinder zu kriegen, ein Haus zu kaufen, die Traumreise zu machen, in dem Job arbeiten, den man sich schon als Kind erträumt hat, die Welt zu erobern.

6 replies to “Ein Viertel Jahrhundert

  1. Ich sage auch öfter mal: Shit, jetzt werde ich schon 20. Aber, haha, was ist schon 20? Im Endeffekt sage ich das auch nur und verbinde das mit „alt“, weil ich selbst nicht fassen kann, wie schnell die Zeit vergangen ist. Gerade war ich noch im Kindergarten und schon steht bald die zwei vorne dran? Ich, für mich selbst, kann das nicht so wirklich realisieren und sage dann Spaß halber, ich würde alt werden.
    Ich glaube aber auch, dass man zwischen 20 und 30 einem gewissen Druck ausgesetzt ist. Ich glaube, dass in diesen zehn Jahren sich so viel im Leben ändern wird. Wie gesagt, ich glaube. Ich bin selbst noch nicht dort angekommen, aber was man von anderen immer so sieht und hört, ändert sich zwischen diesen Jahren viel. Das erste Kind, heiraten, bla bla. Es kommt vermehrt in diesem Alter vor und vielleicht fühlt man sich dadurch wirklich ein klein wenig unter Druck gesetzt, was auf andere wirkt, als wäre man unzufrieden.
    Ich kann nur spekulieren. Vom „Ein viertel Jahrhundert“ bin ich noch ein paar Jährchen entfernt ^^

    Aber ich glaube ebenfalls, dass man nie „zu alt“ ist (:

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    1. Wie gut du das wieder in Worte verpackt hast. Da ist so viel Wahres dran! Damit sprichst du mir wirklich aus der Seele. Man möchte sich ja eigentlich nicht als „alt“ ansehen und man fühlt sich auch gar nicht wirklich „alt“. Aber dennoch ist da immer ein bisschen Druck bei. Weil es eben schon Menschen im gleichen Alter gibt, die viel mehr erreicht haben. Die schon mit ihrer Lebensplanung weiter fortgeschritten sind.

      Aber ich mach das beste draus. Einfach die Zeit genießen, ohne sich viele Gedanken zu machen.
      Zu alt ist man nie, wie du schon sagst! (:

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  2. ein schöner eintrag! 🙂 es gibt momente, da denke ich über mein alter nach, dann gibt es wieder solche, in denen mir das wurst ist. das gute ist, jeder wird älter. jeden ereilt das gleiche schicksal. das finde ich beruhigend. :DD

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