Der Bären-Schmetterling-Tanz

Einige Leute tänzeln gar schwerelos durch die Gegend, andere stolpern ständig. Die einen meistern jedes Problem mit links, die anderen schaffen es nicht einmal mit rechts. Wir alle sind so unterschiedlich wie Feuer und Eis.

Meinem Gefühl nach bin ich jemand, der eher stolpert, als schwebt. Der jedes Fettnäpfchen mitnimmt und aus jedem kleinen Mückenproblem ein Elefantenproblem zaubert. Und mir sind diese Menschen ein Rätsel, die in den Raum reinkommen und man sofort weiß: Die haben nichts zu befürchten. Denen fliegt alles zu. Die sind lässig und cool. Die können mit einem Blick alles in Gold verwandeln. Solche Menschen, die Gelassenheit ausstrahlen, Coolness und Eleganz. Mich daneben zu sehen, wäre wie einen schwerfälligen Bären mit einem grazilen Schmetterling beim tanzen zu beobachten.

Aber was steckt dahinter? Verstecken sich nicht viele Menschen hinter Fassaden? Wie viele Leute haben einfach nur gelernt, gelassen auszusehen, anstatt es einfach zu sein? Einfach… Als könnte man „einfach“ gelassen sein.
Hinter jeder guten Maske stecken die Probleme, die ein jeder mit sich herumträgt. Vergraben, verbuddelt, versteckt. Tief innen drinnen, damit sie keiner bemerkt. Ein Pokerface des Alltags.

Nur weil jemand lächelt, heißt es nicht, dass derjenige glücklich ist. Nur weil man offen ist und mit jedem gut reden kann, heißt es nicht, dass man viele Freunde hat und keine Einsamkeit spürt. Nur weil jemand Mengen an Geld ausgibt, heißt das nicht, dass derjenige keine finanziellen Nöte hat. Nur weil jemand auf die Frage „wie geht’s?“ mit „gut!“ antwortet, muss das noch lange nicht stimmen.

Wir Menschen tragen Geheimnisse mit uns herum. Manche sind lesbar wie ein offenes Buch, andere verschlossen wie die dicksten Türen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine einzige Person auf dieser Welt gibt, die alle ihre Geheimnisse jemand anderem erzählt hat. Irgendetwas hält man immer zurück. Dafür gibt es zu viele Gründe. Ob es einem nun zu peinlich ist, ob man annimmt, sowieso nicht verstanden zu werden, ob man einfach nicht darüber reden darf oder ob es keinen anderen Menschen gibt, dem man diese Geschichte anvertrauen könnte.
Geheimnisse und Sorgen hat jeder. Auch der offenste, lesbarste Mensch – oder nicht?

13 replies to “Der Bären-Schmetterling-Tanz

  1. Ach, Ines … – schwerfällig sehe ich Dich gar nicht. Viel eher vielleicht ein bisschen unsicher, tapsig, suchend, wie es halt so ein kleiner, bisweilen etwas ängstlicher aber doch neugieriger Schmetterling (noch) ist. Immerhin aber eine Tänzerin, eine die sich gar nicht schlecht versucht. Im Gegenteil. – Und die Neugierde ist sympathisch und nicht „tot zu kriegen“, und deshalb glaube ich daran, dass sie schließlich gewinnen wird.

    Das mit den Geheimnissen stimmt. Ich trage auch zwei, drei bei mir, in mir, und ich habe sie noch nie herausgelassen, gegenüber niemandem. Und das wird wohl auch so bleiben.

    Ansonsten bin ich, glaube ich, relativ leicht zu durchschauen, weil ich mich nicht wirklich zu verstellen vermag und mir daran auch nicht gelegen ist. Ich würde dann nur noch unsicherer werden als ich es oft so schon bin. – Bisweilen macht dieses unverstellt Sein natürlich leicht(er) verletzlich.

    Ich selbst freilich täusche mich des Öfteren in Menschen – und meine Vermutung ist, dass das an beiden Seiten liegt. An meiner Einfältigkeit und daran, dass andere Menschen sich nicht so freiwillig preisgeben, wie ich. Etliche tragen Masken, aus welchen (manchmal ja durchaus triftigen) Gründen auch immer. Ich aber kann mit Masken nichts anfangen, sie verunsichern mich, machen mir nicht selten sogar Angst.

    Ich habe es erst lernen müssen und muss es jeden Tag immer wieder, dass Menschen fast nie so sind, wie ihr erster Eindruck es mir suggeriert. – Aber etwa ein spontanes Lächeln nehme ich denn doch immer wieder sehr gern an als das, was es, so wie es sich zeigt, eben ist. – Und ich hoffe dann immer, dass es ein ehrliches, kein gespieltes oder erzwungenes war.

    Ich schicke Dir (m)ein Lächeln!

    Liebe Grüße!

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    1. Unsicher trifft es wohl auch irgendwie, ja. Danke dir für deine lieben Worte! Neugierde ist wichtig. Wer nicht neugierig ist, der verpasst vieles.

      Zu jedem Menschen gehört nun mal ein Geheimnis. Eins, was ganz einem alleine gehört. Das niemand kennt und das man wohl auch nie jemanden sagen wird.

      Unverstellt zu sein, da hast du Recht, das macht definitiv verletzlich. Aber auch ist es viel schöner, wenn jemand unverstellt ist, natürlicher ist.

      Einfältig bist du doch ganz sicher nicht!
      Masken sind beängstigend. Manchmal ist es dennoch irgendwie nur ein Schutzmechanismus. Da wird die gar nicht so bewusst aufgesetzt, sondern eher ohne es zu bemerken. Manchmal kommt man dagegen wohl gar nicht richtig an.

      Die spontanen Lächeln sind doch immer die ehrlichsten und offensten.
      Ich schicke dir nun so ein solches Lächeln zurück – Ein ganz herzliches.

      Liebe Grüße!

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  2. Ich kann ja nicht beurteilen, ob Du „tapsig“ daher kommst,
    aber zumindest in Deinen Gedanken und Worten bist Du ein Schmetterling ! 😉

    Wie alle tragen Masken !
    Aber ich bemühe mich eigentlich meiner Freundin gegenüber keine Geheimnisse zu haben, weil ich bei ihr wirklich das Gefühl von Seelenverwandschaft habe.

    Es wäre schön, wenn man immer offen sein wahres Gesicht zeigen könnte, aber leider lernen wir schnell, dass es nicht ratsam ist, weil wir dann verletzlich sind 😦

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    1. Was für ein schönes Kompliment: Danke sehr! 🙂

      Wenn man jemanden gefunden hat, wo solch eine Seelenverwandtschaft besteht, kann ich mir gut vorstellen, dass die Geheimnisse auch viel leichter über die Lippen kommen.

      Da stimme ich absolut zu. Das erfahren wir zu schnell, daher bauen wir uns schnell Mauern und Masken, hinter denen wir uns verstecken. Schade eigentlich.

      Liebe Grüße!

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      1. Gern geschehen ! 😉

        Ich finde es sehr wichtig so einen Freund/Seelenverwandten zu haben ! Im Idealfall ist es ja der Partner, aber es kann auch ein Freund oder Bruder oder ein (Wahl)-Verwandter sein !

        Ich glaube wir lernen schon in der Kindheit, uns hinter diesen Masken zu verstecken / zu schützen …
        Besonders schlimm finde ich aber ein falsches Lächeln 😦

        Dir ein schönes Herbst-Wochenende,
        Bärlinerin

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      2. Das finde ich auch! Einen solchen Seelenverwandten zu finden ist nicht leicht – es lohnt sich allerdings immer danach zu suchen. 😉

        Ein falsches Lächeln, oh ja. Lächeln ist doch eigentlich etwas so fröhliches, offenes. Ein falsches Lächeln erkennt man heutzutage leider auch immer weniger.

        Das wünsche ich dir auch, danke!

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  3. Ich freue mich auf Ende November 🙂

    Es gab mal eine Frau, die hat jedem erzählt, sie würde eine Weltreise machen und hat dann auf Facebook ganz tolle Bilder hochgeladen. Dabei saß die drei Monate in ihrer Wohnung und jeder ihrer Freunde und Familie hat gedacht, sie wär weg.
    Das zeigt, wie wenig wir über Menschen wissen können, wenn wir sie nur beobachten.
    Da sieht ein Leben von außen viel schöner aus, als es von innen ist. Nimm mich als Beispiel. Ich könnte, ohne zu lügen, durch gezielt gestreute Informationen ein Bild von 2-3 völlig unterschiedlichen Menschen schaffen.
    Ich würde mal sagen, dass die Menschen unterschiedlich viele Facetten haben und entsprechend unterschiedlich zu beurteilen sind. Es gibt Leute, die sind tatsächlich so, wie sie sind. Und andere sind unterschiedlich anders.

    Letztendlich verschwendest du bei solchen Überlegungen nur Energie. Wichtig ist doch, wie gut du dein Leben lebst. Andere Leute entscheiden sich für andere Wege und andere Reisegeschwindigkeiten, was genau bringt also der Vergleich? Zumal du eh nur die Oberfläche sehen kannst. Wenn wir Glück als Vergleichswert nehmen, dann ist dein Ziel nicht, besser zu sein oder mehr zu haben als andere, sondern alles so zu machen, wie es dich glücklich macht. Und dann kannst du vergleichen und siehst, dass Leute selten so glücklich sind wie du.

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    1. So kann lese ich den Anfang eines Kommentares doch gerne 🙂

      Irre, was für Ideen manche Menschen entwickeln. Die Frage die sich mir da stellt ist: Was hat sie so lange in der Wohnung gemacht, so ganz alleine?
      Die unterschiedlichen Leben schauen immer irgendwie schöner aus, wenn man sie von weitem betrachtet. Aber sobald man unter die Oberfläche schaut, bemerkt man all die vielen Sorgen und Probleme, die es mit sich bringt.
      Also bist du 2-3 Menschen kombiniert in einer Person. Das ist ja aber nichts ungewöhnliches. Das sind, wie du so schön beschrieben hast, dann viele Facetten und Seiten von dir. Nur eine einzige Seite zu haben ist doch auch gar nicht wirklich möglich – außer man kann sich tatsächlich so super verstellen.

      Der Vergleich bringt gar nichts. Aber ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass ich bei solchen Überlegungen Energie verschwende. Das ist einfach was, was mir gerade so in den Sinn kommt und wozu ich dann gern die Meinungen anderer höre. Da gibt es wesentlich sinnlosere Sachen, an die ich meine Energie „verschwende“.

      Und das ist doch absolut das wichtigste: Glücklich zu sein ohne sich groß verstellen zu müssen.
      Ich glaube, das bekomme ich sogar ganz gut hin. (:

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  4. Ich glaube, dass man viele Menschen gar nicht kennt, auch wenn man glaubt sie zu kennen. Man kann vieles von sich geben, viel sagen, viel behaupten. Einen Eindruck an andere Menschen vermitteln. Durch gewisse Erlebnisse und Enttäuschungen geht das bestimmt auch ziemlich schnell zu lernen. Als „außenstehende Person“ sieht es dann so aus, als wäre alles gut, als hätte der Mensch ein leichtes Leben. Aber da wären wir dann am Punkt der Phasade angekommen. Jeder versteckt sich bei bestimmten Dingen hinter einer Maske. „Lügt“. Hat aber seine Gründe dafür, wieso man nicht ehrlich ist und einen gewissen Eindruck vermitteln möchte. Und wer gibt schon gerne zu, dass er Problem, Sorgen, Kummer hat? Noch dazu wird einem ziemlich schnell gelehrt, dass es nicht nur die Menschen auf der Welt gibt, die Gutes für dich wollen. Also ist es leichter, sich hinter einer Maske zu verstecken und nach außen das zeigt, was man gerne hätte.

    Was ich dir damit jetzt auch gerne sagen möchte: Sehe dich nicht schlechter als du bist, nur weil die anderen einen so „perfekten“ Eindruck vermitteln.

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    1. Nein, die meisten Menschen die man zu kennen glaubt, kennt man wohl wirklich gar nicht richtig. Was irgendwie traurig klingt, aber auch verständlich ist. Denn jeder schützt sich selbst vor anderen. Ob mit Masken, Fassaden, Lügen…

      Danke dir!
      Jeder hat wohl sein Päckchen zu tragen und ich bin mir durchaus bewusst, dass es etliche Menschen auf dieser Welt gibt, die es eindeutig schwerer haben und denen es um vieles schlechter geht.
      Aber dennoch ist die subjektive Wahrnehmung teilweise gar nicht so leicht einzuschränken. 😉

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