Ein Hoch auf uns

Dinge, die man eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hat, sind wie kleine Wunder, wenn sie dann doch geschehen. So erging es mir am Samstagabend, als ich zu einem Freund gefahren bin und widererwartens eine ganze Menge meiner alten Freunde wiedersah. Das ist wie ein kleines Geschenk.

Zu erfahren, was in ihrem Leben gerade so geschieht. Zu sehen, wie sie sich in eigentlich kurzer Zeit doch so verselbständigt haben. Zu hören, wie gut es ihnen in ihrem Beziehungen und an ihren Arbeitsplätzen geht.
Die meisten sind in andere Städte ausgewandert und doch pendeln sie ab und an in der Heimat ein. Manche kommen wieder ganz zurück, andere bleiben nur für ein paar Tage. So unterschiedlich sie alle sind, so haben wir doch alle etwas gemeinsam: Uns.

Am Ende eines solchen Abends – nach all den gemeinsamen Scherzen, nach dem räumlichen und emotionalen Zusammenrücken – werden wie immer Versprechungen gemacht. „Klar, ich meld mich bei dir.“ „Wir müssen unbedingt mal wieder etwas zusammen unternehmen.“ Es ist ein Selbstbetrug. Denn solche Abende, solche Treffen sind kostbar und selten. Einen Termin zu finden, wo alle Zeit haben ist unmöglich. Ein Treffen auszumachen, wenn die Personen an verschiedenen Orten wohnen ist fast nicht machbar. Ich sehe das immer wieder. Wollte ich nicht dieses Jahr nach Dortmund, Leipzig, Wiesbaden und Konstanz, um möglichst alle meiner Freunder wiedersehen zu können? Was ist daraus geworden?

So geschieht im eigenem Leben so viel, dass das Leben der Freunde nur noch angekratzt werden kann. Für ein einziges Treffen im Jahr passiert zu viel. Man kann sich noch so sehr bemühen. Im Grunde rennt man den anderen hinterher, weil sie des Aufraffens zu einem Treffen zu faul sind oder zu wenig Zeit haben.

8 replies to “Ein Hoch auf uns

  1. Ein Treffen mit Freunden ist immer etwas wunderbares 🙂
    Mit der Zeit trennen sich aber die Wege, und man hat nur noch zu wenigen Kontakt …

    Ich habe mir eigentlich nur EINE Freundschaft mein Leben lang erhalten – quasi vom Buddelkasten bist jetzt,
    und das ist mir wichtiger, als eine große Anzahl von Freunden oder „Wegbegleitern“ 😉

    Schön, dass Du einen netten Abend hattest 🙂

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    1. Ja, das ist wirklich sehr schade, dass es so kommt und es eigentlich keinen Ausweg aus dieser Misere gibt.

      Eine gute (oder beste) Freundschaft zu haben ist definitiv mehr wert, als keine Freundschaften und unzählige Bekanntschaften. Denn so ist man doch irgendwie trotz vieler Leute immer einsam.

      Erhalte dir deine langjährige Freundschaft bitte weiterhin! Sie ist kostbar. 🙂

      Liebste Grüße an dich!

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  2. Selbstbetrug. Ein hartes Wort. Aber es ist treffend. In dem Kontext, über den Du hier geschrieben hast, IST es treffend.

    Es bleibt nur, das zu genießen, was sich ergibt, auch WIEDER ergibt. Und es bleibt die Möglichkeit, sich selbst zu vergewissern, welche der Freundschaften, einem WIRKLICH besonders wichtig sind. Um die sollte man kämpfen.

    Wenn man dabei Gegenseitigkeit spürt und erfährt (nicht nur verbal bekundet bekommt), sollte man UNBEDINGT Zeit dafür finden und das erwidern und nie aufhören zu kämpfen. Eben für die eine oder andere Freundschaft von den ursprünglich vielen. Dann besteht die Chance, dass DIESE Freundschaften WIRKLICHE werden. Und BLEIBEN!

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen solche Freundschaften. Ich denke, ein oder zwei können es werden. Und bleiben! 😉

    Liebste Grüße!

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    1. Auch die kleinen „Wunder“ sollte man genießen, man weiß ja nie, wann es wieder zu einem kommt. Selbstbetrug kommt wohl öfter vor, als das es uns wirklich sichtbar erscheint.

      Da gebe ich dir ganz Recht – wenn sich beide Seiten bemühen, dann kann daraus eine tolle, eine lange und gute Freundschaft werden. Allerdings bringt es wohl eher weniger sich aufzuzwängen und krampfhaft zu versuchen Freundschaften zu retten, die nie wieder eine Chance haben. Man verschwendet nur Kraft und Nerven.

      Vielen, lieben Dank! 🙂
      Die besten Grüße!

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  3. Es ist leider wirklich so, dass man sich auch bei Freundschaften immer viel vornimmt, aber es einfach nicht möglich ist, alles umzusetzen. Das ist sehr schade, aber es bleibt wohl leider nicht aus, dass sich einige Wege auch trennen..

    Thodde

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    1. Ja, leider muss man dann auch diese Entscheidungen oder unfreiwilligen Trennungen akzeptieren. Zumindest macht es keinen Sinn, eine Freundschaft retten zu wollen, die eh schon als verloren abgestempelt gilt.

      Liebe Grüße
      Ines

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