Einzelkämpfer

„Und du wirst 21, 22, 23
und du kannst noch gar nicht wissen, was du willst.“
– AnnenMayKantereit// 21,22,23

Laut dieser jungen Band weiß ich also nicht was ich will. Ist dem so? Kann ich mit meinen 23 Jahren noch gar nicht sagen, wohin ich einmal will? Wo ich im Leben stehen will? Was meine Ziele und Erwartungen sind?

Im Grunde haben sie Recht. Meine Ziele werden sich immer wieder ändern. Ich werde neue Routen und Wege einschlagen, die ich vorher vielleicht nicht einmal in Betracht gezogen haben. Aber das ist doch das Leben, oder? Werde ich das mit 40, 50, 60 Jahren nicht noch immer so machen? Oder sehe ich das einfach zu locker?

Vielleicht gibt es ein paar Ziele, an denen man festhält. Die von einem irgendwo auch erwartet werden und die der Ehrgeiz anspornt. Einen guten Abschluss zu machen, einen guten Job zu finden, einen guten Partner zu finden, zu heiraten, Kinder zu kriegen. Ist das auch in meiner Generation noch so? Viele meiner 30-Jährigen Bekannten sind noch immer Single, benehmen sich nicht anders als ich. Haben keine „Torschlusspanik“, wie es die Generation meiner Eltern vielleicht zu diesem Zeitpunkt gehabt hätte.

Durch’s Leben zu gehen, dass heißt immer wieder umdenken. Umdenken und umformen. Vielleicht ist es schwieriger geworden, seine Jugend zu nutzen. Das Leben so aufzubauen, wie man es sich erhofft. Es stehen einem eine Millionen Türen offen, die darauf warten, das man hindurchgeht, um zu entdecken, was auf der anderen Seite alles wartet. Aber wie soll ich mich entscheiden, wenn ich mich normalerweise nicht einmal zwischen Schokoladen-, Vanille-, oder Karamelleis entscheiden kann?

„Du verschwendest deine Jugend
(…)
Du hälst deine Träume absichtlich klein,
um am Ende nicht enttäuscht zu sein.“
– AnnenMayKantereit// 21,22,23

Unsere Träume winzigklein, sodass sie in Streichholzschachteln passen. Entzündbar sind sie nicht. Unsere Jugend verschwendet an die Langeweile. An einsamen Abenden, ohne Platz zum Ausreißen. Was erzählt man seinen Kindern später, wenn sie nach der eigenen Jugend fragen? Mein Opa kann mit seinen Erlebnissen, seinen damals so einfallsreichen Ideen, etliche Abende füllen. Ich wäre nach zwei Stunden fertig.

Das will ich nicht. Ich will meine Träume nicht schrumpfen, nur um keine Enttäuschungen mehr erfahren zu müssen. Ich will meine Jugend nicht ans Altwerden verschwenden. Ich will mich nicht einschränken lassen, keine Verhaltensregeln aufgedrückt bekommen. Wieso wird man komisch angeguckt, wenn man fremde Leute anspricht? Wieso haben Beziehungen an Wert verloren? Einzelkämpfer werden zum König ernannt. Sie regieren die Welten, die eigenen kleinen Welten. Wenn es das ist, was man sein muss, um glücklich zu sein, dann ist dies ein neuer Weg zum festgelegten Ziel. Einzelkämpfer werden, um glücklich zu sein.

10 replies to “Einzelkämpfer

  1. Ich glaube, ich habe keine Ziele. Ich möchte nur, dass es mir gut geht. Oder dass ich genug Geld habe, um gut zu essen und um ins Kino zu gehen oder ab und zu irgendwo hin zu fahren und was zu sehen.

    Ich weiß nicht, ob das gut ist. Dass ich so schlechte Vorstellungen von meiner Zukunft habe. Aber irgendwie weiß ich noch zu wenig über mich oder über die Welt, alsdass ich mich trauen würde, mir mich in 10 Jahren vorzustellen. Vielleicht habe ich Familie. Vielleicht wohne ich in Spanien. Vielleicht bin ich tot. Ich versuche erstmal einen Schritt vor den anderen zu machen. Mit allem, was ich weiß und kann und will, müsste ich damit ganz gut klar kommen.

    Vielleicht ist das dumm. Aber es hilft ja nichts. Wenn es das ist, muss ich das selbst herausfinden.

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    1. Und das ist meiner Meinung nach auch das wichtigste Ziel: Das es einem gut geht und man mit dem was man hat glücklich ist.

      Ich finde so wie du es machst, ist es ein sehr guter Weg. Eine genaue Vorstellung von der Zukunft haben doch die wenigsten. Und die, die eine haben, ändern ihre Vorstellungen, weil ständig etwas dazwischen kommt. Wenn man also gar nicht erst großartige Vorstellungen hat, vermeidet man dadurch ziemlich viel Stress.

      Von dir kann ich mir noch eine Scheibe abschneiden. Du wirkst, als lebst du dein leben so, wie es gerade kommt: Und du bist zufrieden damit. Manchmal vielleicht mehr, manchmal vielleicht weniger. Aber im Grunde klingst du glücklich. (:

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  2. Das ist, zumindest heute und für mich, ein schwieriger Text. Ich denke schon lange und immer wieder über Ähnliches nach, und werde wohl auch demnächst in meinem Blogtagebuch wieder etwas dazu schreiben.

    Aber heute ist für mich nicht so ein guter Tag, das zu tun …

    Ich weiß nur eines: Allein, wirklich allein, vermag kein Mensch glücklich zu werden, nicht einmal zu leben. – Einzelkämpfer sind deshalb oft viel weniger Helden als ziemlich verzweifelte Menschen.

    Liebe Grüße für Dich, Ines!

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    1. Ich bin gespannt, was du dazu zuschreiben hast. Mich betrifft dieses Thema in letzter Zeit immer häufiger und daher musste ich mir einmal ein paar Anregungen von euch holen und meinen Frust loswerden.

      Ganz alleine schafft es keiner glücklich zu sein, dass stimmt schon. Aber manchmal ist es einfacher alleine durchs Leben zu gehen.
      Verzweifelt trifft es gut, aber vielleicht auch weniger enttäuscht.

      Liebe Grüße!

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  3. Es gibt schon Menschen, die auch allein glücklich sind,
    aber die Mehrzahl der Menschen braucht Gesellschaft.
    Ich bin gern allein, denn dann habe ich Zeit für mich 😉
    aber ich möchte nicht allein LEBEN…
    Es ist schon schön einen Partner zu haben, der einem auch Freiräume läßt.

    In jungen Jahren hat man irgendwelche Vorstellungen vom Leben, die (meist) nicht eintreffen,
    aber das muß kein Anlaß zum „Unglücklichsein“ werden, denn vielleicht ist das wirkliche Leben dann schöner, als das welches man sich „vorgenommen“ hat ?! 😉

    Laß Dich einfach überraschen,
    und irgendwann hast Du ebenso viel zu erzählen wie Dein Großvater !
    Ich finde, dass Du jetzt schon so viel zu sagen hast 🙂

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    1. Da hast dur Recht! Ich bin auch lieber alleine als in Gesellschaft von Leuten, die mir nicht sympatisch sind. Oder die eben meine Erwartungen enttäuschen. Dann ist es doch netter, wenn man sich zurückziehen kann und diese Menschen meidet.
      Aber ganz alleine leben, nein, das möcht‘ ich auch nicht unbedingt.

      Ich lass‘ mich gerne überraschen. Pläne wirft man ja doch nur wieder über den Haufen. Die besten Sachen entstehen meist aus etwas total Ungeplantem. 🙂

      Danke für deinen Kommentar und deine Mutverbreitung. 😛
      Liebe Grüße!

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      1. Einen brauchst Du

        Einen brauchst Du auf dieser Welt,
        der mit Dir weint und lacht,
        einen, der unbeirrt zu Dir hält,
        der Deine Probleme zu seinen macht.

        Einen, der Deine Träume kennt,
        Dir Deine Schwächen vergibt,
        einen, der Dich beim Namen nennt,
        und froh ist, dass es Dich gibt.

        Einen, der Dich in die Arme nimmt,
        wenn eine Hoffnung zerbricht,
        einen, der Deine Saiten stimmt.
        Einen brauchst Du als Licht.

        Emmy Grund

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      2. Diesen einen Menschen gibt es nur irgendwie nicht. Evtl. ein Mythos? Oder einfach noch nicht gefunden?
        Ich glaube von solchen Personen muss man sich wahrscheinlich auch finden lassen…

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