Wahre Lügen

Kann jemand über etwas schreiben, von dem er keine Ahnung hat? Wenn zum Beispiel jemand nicht weiß, wie es auf dem Mond aussieht, weil er noch nie dort war, dann würde ich ihn ziemlich entgeistert ansehen, wenn er beginnen würde mir die Mondlandschaft zu beschreiben. Wenn ein Jurist anfangen würde mir ein MRT-Gerät zu erklären, würde ich ihm nur die Hälfte glauben. Wenn ein Mann versucht zu erzählen, wie es sich anfühlt schwanger zu sein, würde ich jedes Mal denken: Nein, dass kannst du gar nicht wissen. Das kann doch niemand wissen, der noch nicht auf dem Mond war, der nichts von Technik versteht, der noch nie schwanger war.
Ist es also so hoffnungslos über Themen zu schreiben, mit denen man sich nicht auskennt, wie einem Blinden die Farben zu erklären?

Dann dürfte ich über so viele Dinge nicht mehr schreiben. Ich dürfte nicht mehr sagen, wie cool es wäre Fallschirm zu springen – bin ich ja noch nie. Ich dürfte nicht mehr sagen, dass Mütter alles können, denn ich bin ja selbt keine. (Aber hallo? Was können Mütter denn bitte nicht? Die sind Allround-Genies!) Ich dürfte nicht mehr sagen, dass andere es viel besser oder viel schlechter haben als Person X, denn ich bin weder Person X noch jemand anderes. Außerdem kenne ich mich mit ihren Leben nicht aus. Ich dürfte nicht mehr übers Verliebtsein sprechen. Denn bin ich mir eigentlich wirklich sicher, dass ich das jemals richtig war?

„It’s amazing how the truth can be streched so thin that if people turned it sideways it would probably disappear.“
– M. Robotham// Say you’re sorry

Ich müsste schweigen. Immer und über alles. Denn eigentlich kenne ich mich doch mit nichts wirklich gut aus. In allem stecken Vermutungen. In allem stecken die Geschichten, die mal jemand erzählt hat und die man selbst nur halb weitergibt, ausgeschmückt mit Fantasien und mit eigenen Worten. In allem stecken nur Theorien. Man kann nichts sicher wissen. Auch wenn es noch so sicher ist, kann es in ein paar Stunden, ein paar Tagen, Jahrzehnten, Millionen Jahren schon wieder ganz anders aussehen. Und dann ist all die Wahrheit die jetzt gerade gilt doch nichts mehr wert. Dann waren das alles Lügen. Die Tatsachen die man für wahr gehalten hat – alles erfunden.

Mit wie vielen Sachen ist es nicht genau so? Wie viele Sachen sind gelogen, die man für wahr hält und was für todsichere Sachen werden vor einem geheimgehalten? So einige Dinge ergeben erst viel später einen Sinn. Trugschlüsse, falsche Geschichten, geplante Täuschungen. Vielleicht ist nichts wahr und gleichzeitig alles.

11 replies to “Wahre Lügen

  1. Man kann schreiben was man will. solange es die Leute einemn abkaufen ist es okay. (machen einige, aber nicht alle 🙂
    Soweit ich weiß schreibe ich nicht Dinge wovon ich keine Ahnung habe, lieber setzte ich mich mit dem Thema auseinander.

    Liebe Grüße ❤

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  2. viele sprechen über etwas in der „das-ist-sprache“, ich finde es allerdings besser zu sagen „ich denke, ich meine, ich fühle“.. dann kann man auch über die mondlandschaft, schwanger sein, mütter und anderes reden?
    ciao ines
    ralli

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    1. Dem schließe ich mich an ! 😉
      Mit Phantasie und Vorstellungskraft, kann man vieles nachempfinden und auch darüber schreiben …
      (Karl May war nie in Amerika und hat dutzende Bücher über Indianer geschrieben 😀 )

      Wichtig ist die Wortwahl – so wie Du schreibst :
      „Ich denke, ich meine, ich fühle“ ….

      LG
      Bärlinerin

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      1. Absolut richtig. Ich schließe mich ebenfalls an. Fühlen kann sowieso jeder unterschiedlich, dass kann eh keiner beweisen. Ebenso wie Gedanken, Vorstellungen und Meinungen. Wer es so formuliert liegt wohl immer auf der „wahren“ Seite.

        Liebe Grüße an euch beide!
        Ines

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  3. Keine Wahrheit ist absolut. – Entscheidend ist, dass man zu der Zeit, zu der man etwas sagt, dazu steht, mit seinem Gewissen. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn einiges sich schon bald oder gar unmitelbar als nicht (mehr) haltbar erweist.

    Wenn man später, etwa bedingt durch Erkenntnisfortschritt, Dinge vom ehemals Gesagten korrigieren muss, ist das noch viel weniger ehrenrührig, wenn man zuvor seine Meinung nach bestem Wissen und Gewissen vertreten hat.

    Freilich sollte man auch abwägen, ob man wirklich immer zu allem etwas sagen muss bzw. WIE man es sagt.- Wenn man erkannt und verstanden hat, dass nichts absolut ist, dann ist es eigentlich folgerichtig, im Kontext einer Sache zu der man etwas sagt, immer auch seine Zweifel, seine eigene Unsicherheit, seine Bedenken mit ins Gespräch zu bringen.

    Das ist viel „perfekter“ als eine Meinung, eine Aussage, quasi mit Absolutheitsanspruch, oder zumindest so auffassbar, zu formulieren. – Leider werden gerade differenzierende Meinungsäußerungen heutzutage aber oft als „Schwäche“ oder gar „zu viel Geschwafel“ ausgelegt.

    Wie immer – liebe Grüße an Dich!

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    1. Da hast du Recht, lieber Schweitzer.
      Solange man etwas mit seinem Gewissen vertreten kann, ist dort immer Wahrheit mit im Spiel. Und neue Erkenntnisse und Meinungen sind ja auch irgendwie wichtig, um voran zu kommen. Um alles was falsch läuft auch ändern zu können.

      Leider hast du auch Recht, wenn du sagst, dass differenzierte Meinungsäußerung immer häufiger einfach so abgetan werden. Dabei sind doch auch diese Meinungen sehr wichtig und ergeben vielleicht ganz neue Perspektiven und Umdenken.

      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Liebste Grüße an dich und ein schönes Wochenende!

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  4. Man kann schon über Dinge schreiben, die man selbst nicht erlebt hat, denn wenn man sich „hinein versetzen kann“ (und das kannst Du), dann kann man auch darüber schreiben.
    Du kannst z.B. nachempfinden, wie eine Mutter sich fühlt, wenn ihr Kind krank ist, also kannst Du auch darüber Nachdenken und darüber schreiben…
    „Die wahre Liebe“ … Naja ! 😉
    WER hat die schon erlebt ? Aber alle haben eine Vorstellung davon und tausende schreiben darüber 😉

    Menschen mit Phantasie (so wie Du) können doch wirklich über alles schreiben – ohne dass das Schreiben „Selbstzweck“ ist !

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    1. Ach, danke, liebe Bärlinerin!
      Ich glaube vom Schreiben würde mich auch erst einmal niemand wegkriegen – aber dennoch macht man sich ja so seine Gedanken.

      Du hast das schön beschrieben. Solange man ein bisschen Einfühlungsvermögen, Kreativität und Perspektivenwechsel hat, kann man sich auch Themen annehmen, die einen gar nicht selbst betreffen, aber die man doch ganz schön spannend findet.

      Die besten Grüße
      und ein wunderschönes Wochenende!
      Ines

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