Krimskrams und Kleinigkeiten

Die Menschen gehen durch die Welt und sehen die schönen Dinge nicht mehr. Sie sind überladen von all dem Großen und Imposanten. Keine Frage, viele große Sachen sind schön. Aber jetzt habe ich schon öfter gehört, dass ich auf die kleinen Dinge achte, manchmal mehr wahrnehme und beobachte als andere. Vielleicht ist das wirklich so. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, aber in letzter Zeit habe ich mich selbst beobachtet: Da habe ich wohl das erste kleine Ding entdeckt, mich selbst.

Die Liebe zu den Kleinigkeiten, zu dem Unauffälligen, ist mir tatsächlich nicht fremd. Als ich mich also so selbst beobachtete und mich fragte, warum dies oder das von anderen nicht wahrgenommen wird, habe ich auch gleichzeitig wieder wundervolle neue Seiten des Lebens kennengelernt. Einfach, weil ich mich über Dinge freuen kann, die bei anderen schon „normal“ sind, oder die überschaut werden, ohne sie überhaupt zu regestrieren.

Ein paar Kleinigkeit möchte ich euch gerne erzählen. Sie sind nicht alle beobachtbar. Manchmal sind es Geräusche oder Gefühle, aber jedes Mal, wenn ich sie wahrnehme, dann bin ich ein Stück glücklicher. Das kann zum Beispiel sein, wenn ich nachts aufwache und merke, dass ich noch nicht aufstehen muss. Aber ich denke das kennt nun wirklich jeder.

Manchmal wenn ich durch die Welt spaziere, dann sehe ich irgendwo zwischen dickem Asphalt ein kleines Blümchen wachsen und ich freue mich dann insgeheim darüber, dass die Natur doch stärker ist als Beton. Im Übrigen mag ich es im Sommer barfuß zu laufen. Viel lieber als in Schuhen oder Flip Flops, man muss genauer hinschauen und entdeckt – na, eine Idee? Genau- Kleinigkeiten.
Ich mag es, wenn Menschen aus Baden-Württemberg versuchen ihren Dialekt zu verstecken und man ihn trotzdem raushören kann. Eigentlich mag ich viele Dialekte (wie den Berliner Dialekt oder das verwaschene Ruhrpott-Deutsch) und Akzente (wie den Englischen, Französischen oder Niederländischen.)

Auf dem Boden sitzen oder liegen, anstatt auf dem Sofa, ermöglicht vollkommen neue Blickwinkel. Über Hängematten geht allerdings nichts.
Es gibt nichts besseres als im Frühling Millionen von Pusteblumen zu pusten – meine Nachbarn hassen mich dafür – und sich bei jedem kleinen Fallschirm zu fragen, ob daraus eine Neue wachsen wird.
Ich liebe neue Bücher, die nach neu riechen (ja, das ist absolut eine Geruchsart) und ich mag alte Bücher, deren Seiten weich und gelesen aussehen. Warum ist es in Bücherläden immer so laut und in Bibliotheken ganz leise?
Bemerkungen die so nebenbei fallen und trotzdem enorm wichtig sind, sollten öfter fallen. Genauso wie Komplimente, wo einem erst nach längerem Nachdenken auffällt, dass es eins war.

Ihr habt den Sinn und vielleicht auch den Zweck des Ganzen erkannt, also hier eure Hausaufgabe: Findet eine Kleinigkeit. Am besten jeden Tag.

Ich bin überglücklich darüber, dass mal jemand zu mir gesagt hat, dass er mich so gerne mag, weil ich die Dinge anders sehe. Weil ich mir minutenlang Zeit nehme um ein Eichhörnchen zu beobachten. Weil ich mich für kleine Dinge begeistern kann. Ich finde, dass ist eins der schönsten Komplimente, die ich bis jetzt bekommen habe.
Wenn also jemand mal zu mir sagt, dass ich eine Kleinigkeit bin, dann nehme ich das als Kompliment. Denn Kleinigkeiten können viel größer und wichtiger sein als Großigkeiten.

13 replies to “Krimskrams und Kleinigkeiten

    1. Vielen Dank!
      Ich kann in deinen Posts auch ziemlich viel herauslesen, was andere nicht wahrnehmen würden. Also kann ich ein Kompliment in der Art nur an dich zurückgeben: Du bist ebenfalls eine Kleinigkeitenentdeckerin. 😉

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      1. Das glaube ich dir auf’s Wort (:
        Manche Details muss man dann leider für sich behalten, weil es einfach den eh schon strapazierten Rahmen sprengen würde. 😀

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  1. Wieder einmal hast Du mich mit Deiner Sichtweise und Deinen Formulierungen begeistert !

    Ich würde mich auch als Menschen mit „Detailblick“ bezeichnen,
    aber das kann manchmal auch ein „Fluch“ sein 😉

    Wenn ich in Filmen auf Nebensächlichkeiten achte (z.B. ein Bild an der Wand, oder ein Gebäude,eine Skulptur, …) kann ich mich gar nicht mehr auf den eigentlichen Film konzentrieren, sondern denke darüber nach.
    Meistens versuche ich sogar heraus zu bekommen, von wem das Bild ist…

    Über Gänseblümchen im Asphalt, oder Bäume die aus Mauern wachsen, kann ich mich riesig freuen,
    und ich weine, wenn am Alex Bäume für weitere Bausünden gefällt werden :`-(

    Ich wünsche Dir sehr, dass Du diese Fähigkeiten behältst !

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    1. Vielen Dank!
      Da spricht ja schon fast eine Kunstkennerin aus dir. Ist dem so? (: Aber wenn du auf andere Dinge achtest, dann kannst du den Film immerhin zweimal schauen und er wird nicht langweilig.

      Das kann ich gut nachvollziehen – Bäume sollten nirgends für so etwas gefällt werden!
      Ich finde es schön, dass du auch so einen Blick für Kleinigkeiten hast! Und somit wünsche ich dir natürlich auch, dass du diese Fähigkeit weiterhin behälst. Das ist wichtig in diesem grauen Alltag.

      Beste Grüße nach Berlin
      Ines

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      1. „Kunstkennerin“ ist übertrieben, aber ich interessiere mich sehr für Kunst.
        Außerdem bin ich ein fanatischer Bilder-Sammler 😉

        Viele Leute sehen ja leider nur den grauen Alltag, und haben den Blick für schöne, kleine Details verloren.
        Das ist schade !

        Deshalb freue ich mich über Deine Fähigkeit zu sehen, und es auch noch so gekonnt zu beschreiben 🙂

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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  2. Die Summe der Kleinigkeiten, die Du auf Deine so unverwechselbare Art wahrnimmst, in Dir bewahrst und an andere weitergibst, sind Beleg für eine ganz besondere Ausprägung von Empathie und Sensibilität, die Dir eigen ist, die DU bist und die es bedingt, dass Du auf wunderbare Art zu Menschen zu sprechen und auf sie einzugehen vermagst.

    Ich weiß genau (!), wovon ich schreibe. DU bist keine Kleinigkeit, Du bist, wie Du bist, eine richtig Große!!!

    Endlich habe ich mal eine angemessene Gelegenheit gefunden, dass so zu sagen, das es auch andere hören bzw. lesen. Das war längst mal fällig!

    Und nun bekommst Du auch noch einen Kornblumengruß!

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  3. Vielen herzlichen Dank für deinen lieben Worte, für das Kompliment – ich weiß, es kommt von Herzen. Und ich freue mich jedes Mal, solch netten Worte von dir zuhören.
    Es lässt mich immer noch etwas rot werden, weil ich mich teilweise gar nicht so sehe, wie du mich beschreibst.

    Danke!
    Und die besten Grüße an dich!

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