Buntes Markttreiben. (London: Tag 4)

Portobello Road Market

Underground Station: Notting Hill Gate

Was tut ein Tourist an einem Samstagvormittag in London? Na klar, nach dem Frühstück direkt in die U-Bahn und zum Portobello Road Market. Schon während wir in der Röhre sitzen, sacht hin und her geschaukelt werden, fällt uns der Andrang der Menschen auf. Ein entspannter Markttag wird das wohl nicht werden. Ich sollte Recht behalten.

Mit der Masse an Menschen geht es aus der U-Bahn heraus. Natürlich haben sich auch hier die Engländer wieder einen kleinen Scherz erlaubt. Die Schilder zeigen anfangs im Kreis und die meisten Touristen fallen gutgläubig darauf herein. Die ersten Geschäfte (vor dem eigentlichen Markt) tauchen schon ziemlich bald auf. Auch diese Gegend hier hat etwas. Die Häuser sind klein und bunt. Sie stehen in Reih und Glied. Ich würde sie eher mit einer kleinen Spanischen Stadt in Verbindung bringen, als mit dem aufgeweckten London. Doch London hat mich ja auch schon mit Little Venice positiv überrascht.

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Für Menschen, die es hektisch mögen: Samstags ist Markttag.

In den Geschäften bekommt man kein Bein an Land. Hier hängen jedoch die schönsten Kleider und T-Shirts. Geldbörsen und Mäppchen stehen ordentlich in den Regal und warten darauf gekauft zu werden. Sie werden durch die schatzsuchenden Hände der Menschen gereicht. Die Stoffe gleiten durch die Finger, wie auf einem Basar. Das Treiben ist enorm. Ich habe tatsächlich Mühe nicht ständig jemanden auf die Füße zu treten, oder im Weg zu stehen. Allerdings sind die meisten Menschen hier keine Engländer und haben daher nicht die feine englische Art an sich. Sobald ich merke, dass sie auch keine Rücksicht nehmen, ist meine mittlerweile übernommene Freundlichkeit auch dahin.

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Wir schlendern im Strom der Schaulustigen und Bummler die Straße hinab. Rechts und links noch immer die bunten Häuser. In den Schotten Shop müssen wir auch einen Blick hinein werfen. Meinen Augen bleiben an zwei kopflosen Gestalten hängen, die sich zwischen den Touristen tummeln.
Die ganze Zeit über haben wir uns gefragt, wo die ganzen Deutschen sind. Jetzt ist uns klar: Sie tummeln sich hier herum. Suchen nach Schnäppchen und Englischen Köstlichkeiten.

Auf dem Portobello Road Market gibt es alles. Für die Schatzsammler sind an jeder Ecke die Antiquitäten aufgestellt, zwischendurch findet man auch die ein oder andere neue Mode für die Modebewussten unter uns. Von Tassen, über Wandsticker, hin zu Nähmaschinen oder Schränken. Von 9 Uhr bis 16 Uhr ist hier das Stöbern angesagt. Ich streiche zaghaft über alte Uhren und Ringe, lasse meine Finger über altes Holz gleiten. Die Kräfte lassen langsam nach und ich will aus dieser Masse verschwinden. Wir tauchen ab in einen riesigen Laden, der aus ganz vielen kleinen besteht. Im Inneren – aufgebaut wie eine große Markthalle – finden wir die waren, urigen Engländer. Die, die ihr altes Kram loswerden wollen. Bei Mr. Purch’s Old Toys bleibe ich etwas länger stehen. Hinter der kleinen Theke häuft sich das ganze alte Holz- und Metallspielzeug auf. Mittendrin, zwischen all dem Kram, sitzt ein alter Mann mit riesiger Brille und schraubt an einem kleinen Auto herum. Er lächelt mir freundlich zu. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er mir eins der Spielzeuge geschenkt hätte, und ich Zuhause herausfinden würde, dass es eine magische Kraft hat – Dann würde die Märchengeschichte beginnen.

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Von Tassen bis zu kopflosen Menschen – Hier findet man einfach alles

Wieder raus aus der großen Halle, tummeln wir uns um Essenständen herum, bis wir etwas passendes gefunden haben. Sogar deutsche Küche wird hier angeboten. Ich vertraue diesmal lieber den Indern und hole mir einen Falafelwrap. Er fragt auch extra, was dort alles hinein soll. Ich sage immer nur ja, weil ich die Hälftevon dem was er sagt, seines Akkzents wegen nicht verstehe. So zupfe ich wenige Minuten später die Minzblätter aus der Teigrolle. Das kann ich ja gar nicht haben. Und was dieses Pinke sein soll, bleibt auch fraglich. Aber immerhin schmeckt es. Es ist sogar so viel, dass ich den Rest noch an L. abgegeben muss, damit ich das leckere Essen nicht noch wegschmeiße.

An den restlichen Ständen gibt es Kokosnüsse mit tollen Schnitzereien und Strohhalmen. Auch Teigsticks mit Schokolade, oder Cupcakes sind zu finden. Mann gut, dass ich satt bin. Das Laufen macht uns wirklich müde und dieser Markt ist einfach zu lang. Wir schaffen es doch noch bis zum Ende und laufen dann gemütlich wieder zurück. Die Straßenmusiker spielen Johnny Cash und die Stimmen von den beiden jungen Kerlen mit den Gitarren gehen einen unter die Haut. Das ist ein echter Markttag. Mit allen erdenklichen Dingen, Essen und guter Musik.
Doch irgendwann reicht es auch einmal und wir lassen die Touristen mit ihrem Kaufwahn alleine zurück.

Baker Street

Underground Station: Baker Street

Nach einem kurzen Hotelaufenthalt steigen wir erneut in die U-Bahn und fahren zur Baker Street. Immer wieder wundere ich mich darüber, wie die Leute sich in den U-Bahnen schminken können, lesen, oder sogar schlafen. (Schlafen ist gar nicht so unwahrscheinlich. Ich werde auch immer extrem müde, sobald ich in einen der Züge steige.)
In der Baker Street stolpern wir auf den Fußweg hinaus. Der Wind haut uns um die Ohren. Ich hatte noch vom letzten Mal im Hinterkopf, dass es hier günstige, schöne Postkarten und einen riesigen Andenkenladen gibt. Ich hatte mich nicht geirrt. Alles war an Ort und Stelle. Das Suchen ging weiter. Postkarten, Briefmarken und Tee wanderten in unsere Taschen. Die Kassierer plauderten kurz mit mir über Deutschland und schon waren wir glücklich und zufrieden.
Lange wollten wir uns hier auch nicht mehr aufhalten. Die Karten mussten  noch geschrieben werden und die Beine taten weh.
Ich lief mit den Augen im Himmel und zeitweise am Boden, durch die Straßen und hoffte, dass ich ewig hier bleiben könnte. Für immer. Das ich diese Sprache lernen würde, diesen Humor übernehmen könnte. Das Fernweh stellte sich schon fast ein, obwohl ich noch gar nicht wieder Zuhause war.

Liebe
x In dem Moment, als mich Mr. Purch mit seinem Lächeln in die Märchenwelt blicken ließ.
x Immer wieder neue Schätze auf dem Markt zu finden.

2 replies to “Buntes Markttreiben. (London: Tag 4)

  1. Wieder ein schöner Bericht. (Und schöne Fotos!) – Ich kann mir aber auch vorstellen, wie müde Du manchmal gewesen sein musst – so lange auf Straßenpflaster …

    Dass mit dem Fernweh, schon eine gewisse Zeit vor der Abreise, kenne ich. Es befällt mich jedes Mal (!!!) wieder, wenn ich aus der Slowakei zurück mus, obwohl ich bestimmt schon 22, 23, 24 (?) Mal dort war und weiß, dass ich auch wieder hinfahren werde.

    Wie immer: Einen lieben Gruß für Dich!

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    1. Wie immer: Vielen Dank! 🙂

      Oh ja, die Beine waren irgendwann so schwer, dass ich nur noch sitzen wollte – und vor allem aufpassen musste, dass ich in der U-Bahn nicht einschlafe. (Zum Glück gab es ja immer etwas zum Gucken, was einen wach gehalten hat.)

      Es ist furchtbar, dieses Fernweh. Die ersten Wochen wieder Zuhause komme ich mir immer fremd und fehl am Platz vor.
      Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass dieses Gefühl auch beim 24 Mal nicht weggeht. Vielleicht wird es nie verschwinden. (Home is where you heart is. Ich glaube ich habe meins dort gelassen.)

      Viele Grüße und einen schönen Abend!

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