Wo Seifenblasen auf Hektik treffen. (London: Tag 1)

Letztes Jahr habe ich ein Versprechen abgegeben: Irgendwann werde ich wieder in diese Stadt zurückkehren. Und zwar bald. Dieses Versprechen habe ich ziemlich schnell eingelöst. Schon ein halbes Jahr später sitze ich im Auto zum Flughafen. Mitten in der Nacht natürlich. L. neben mir. Langsam beginnt die Nervosität doch in einem empor zu klettern. Es kribbelt leicht im Bauch und die Müdigkeit von vorhin ist komplett verschwunden.

Als wir am Flughafen ankommen, heißt es wie immer erst einmal warten. Allerdings verfliegt die Zeit ziemlich schnell und so können wir schon wenig später unser Gepäck am Schalter abgegeben und einchecken. Fensterplätze, juhu. Hinter uns stehen und lauern ungeduldige Deutsche. Fremdschämen ist angesagt.
Nach dem kleinem Trubel am Schalter, geht es zur Passkontrolle. Der Herr wünscht uns viel Spaß beim Shoppen. Wenn man denn noch Platz im Koffer hätte, dann hätten wir den ganz bestimmt, doch so müssen wir bei jedem Kauf immer den verbleibenden Platz mit einberechnen, damit am Ende nichts zurückbleibt.
Der Pass wird gecheckt, wir werden weiter gewunken. Ich komme mir vor wie auf einem Fließband, an dem die Ware nach Qualität geprüft wird. Jacken ausziehen, Gürtel herausziehen, alles in die kleinen Kisten packen. Ab durch die Kontrolle. Kein Gepiepse. Alles wieder einsammeln. Als ich nach meinem Sachen greife, sehe ich, dass L. angehalten wurde. Sie muss ihren kleinen Schminkkoffer öffnen und siehe da: Der Wachmann hat direkt etwas gewittert. Hier fliegen Shampoo, Zahnpasta, Cremes und Duschgel durch die Gegend. Selbstverständlich nicht in kleinen Tüten verschlossen, sondern lose im Handgepäck. Alles wird aussortiert, bis auf die Medikamente. So beginnt die Reise mit einer kleinen Überraschung und ohne sämtliche Waschutensilien für L.

British Airways; Airport London Heathrow

Nach längerem Warten beginnt das boarden. Die Crew scheint sehr freundlich, das Flugzeug ist recht klein, aber noch ziemlich neu. Wir sitzen weit hinten, jedoch haben wir das Glück, dass wir die 3er Reihe mit niemanden teilen müssen und hinter uns niemand sitzt. Gepäck verstauen, Sicherheitsanweisungen lauschen, anschnallen. Schon rollen wir auf die Startbahn. Das Flugwetter wurde als gut angepriesen, aber so ganz glauben kann ich das noch nicht. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt sowieso nicht. Das Flugzeug startet in die Lüfte und durchbricht die Wolkendecke. Alles wird rosa und orange. Ein wundervoller Sonnenaufgang erwartet uns. Wie wunderschön ist es hier oben. An den kleinen, runden Fenstern drücken wir uns fast die Nasen platt.
Gefühlte 10 Minuten nach Start kommen schon die Stewardessen durch den Gang und verteilen das Frühstück. Dieses besteht aus einem gummiartigen Croissant, belegt mit Wurst. Nachdem ich meine Packung aufgerissen und die Wurst heruntergesammelt hatte, fragte ich, ob es dieses auch in vegetarisch gab. Gab es. Aber ich war ja schon zu voreilig gewesen und musste unbedingt  ungeduldig die Packung aufreißen. Im Nachhinein, drückte sie mir dann doch noch ein Tomaten- Käse- Croissant in die Hand und reichte mir meinen schwarzen Tee. Das Frühstücken ließen wir uns dann so gut schmecken, wie es in einem Flugzeug nun mal geht. Also fast gar nicht.

Die Landung verläuft einwandfrei und problemlos. Wir setzen sachte auf, werden hinausgeleitet und dann kommt – hinter der Passkontrolle- das kleine Wunder: Unsere Koffer stehen, fertig ausgeladen, NEBEN dem Gepäckband bereit. Was für eine Freude! Wir greifen uns die Teile und machen uns auf zum Ticketautomaten für die U-Bahn. Achtung! Hier wird einfach irgendetwas gedrückt und am Ende zahlt man für eine Tageskarte 16,40 Pounds. Da kann doch irgendwas nicht stimmen. Wir sind natürlich viel zu kaputt, als das wir uns darüber noch Gedanken machen können. Vom Flughafen Heathrow fahren alle 15 Minuten Züge in die Stadt (schnell, aber teuer). Wer die einfachere, aber längere Variante nehmen möchte, nimmt die Tube/ U-Bahn. Das U-Bahn Netz führt dich überall hin, ist leicht zu überschauen und macht wenig Probleme. In ca. 30-45Min. ist man in der City angelangt.
Hinein in die U-Bahn und los geht der Spaß. Da wir nicht direkt ins Hotel fahren können, sondern über Westminster fahren müssen (da wir bis dahin noch Bargeldlos sind), dauert unsere Reise eine gefühlte Ewigkeit. Etliche Male umsteigen, hinein in den Zug, hinaus. Eingekeilt zwischen etlichen Menschen. Rolltreppen hinauf und hinunter. Zum Glück sind die Briten ja alle Gentlemen (ich wusste sie würde sich noch irgendwo verstecken), und helfen hilflosen Frauen gerne mit dem Gepäck die Treppen hinauf.

Am Westminster schlägt uns die Hitze dann vollkommen ins Gesicht. Wie eine Faust donnert sie auf uns hinunter. Die Kleidungsstücke werden so gut es geht vom Körper gerissen und im Koffer verstaut. Die schweren Gepäckstücke ziehen wir dann einmal um die komplette Kreuzung herum, um bei der HSBC Bank ohne große Kosten Bargeld abzuheben (pro Abhebung 5€). Ein Blick auf die Westminster Abbey und den Big Ben. Hallo, alte Freunde, ich bin wieder da! Und schon geht es über die Ampeln zurück zur Underground. Die Bordsteine stellen hier wahre Tücken da, wie wir merken. Zwei junge Männer laufen an uns vorbei und zuerst denken wir, dass sie über ihre eigenen Füße stolpern, doch es gibt eine winzig kleine Erhebung, wo die beiden Engländer mit ihren teuren Schuhen hängen bleiben und aus ihrem hektischen Schritt gerissen werden. Durch die Übermüdung finden wir das selbstverständlich zum Kreischen. Doch schon bald erweckt etwas anderes meine Aufmerksamkeit. Und von da an fühle ich mich heimisch und wohl. Das British English klingt in meinen Ohren. Von allen Seiten und von überall her. Ich möchte gar nicht mehr weghören.

Viking Hotel; Stratford

Undergroundstation: Stratford / Buslinie 25 oder 86 Richtung Ilford

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Blick aus dem Fenster des Hotels.

Die restliche U-Bahnfahrt vergeht relativ schnell und wir landen dann in Stratford am Bahnhof. Hier irren wir durch die Gegend und finden nach langem Suchen die Bushaltestelle. Die roten Doppeldecker warten schon. Wir quetschen uns mit vielen anderen in den Bus 25 (wahlweise 86) hinein und verkeilen uns irgendwo zwischen Menschenmassen und Tür. Zum Glück machen die Engländer immer Platz, wenn man aussteigen möchte. Wieso sind wir Deutschen nur so verzogen und egoistisch?
Das Hotel liegt direkt gegenüber der Bushaltestelle. Viking Hotel, 3 Sterne. Frühster Check-in 12 Uhr. Es ist 10:40 Uhr. Wir sind fertig und schleppen uns in die Lobby. Einchecken, please. Und zu unserer Überraschung passiert genau das: Wir bekommen den Schlüssel und die Anweisung mit dem Lift nach oben zu fahren. Unser Zimmer ist ein 3-Bettzimmer und ziemlich groß. Das Bad ist sperrlich und karg, reicht aber vollkommen aus. Das Schlafzimmer hat ein Einzelbett und ein Doppelbett, einen Fernseher, einen Schrank und einen Schreibtisch. Sogar ein Ventilator hängt an der Wand und einen Wasserkocher mit Tee und Tassen, stehen bereit. Die Fernbedingung bleibt bis zur Abreise verschollen. In der Nähe des Hotels liegen gleich zwei Supermärkte und das Stratford Centre ist nicht weit.
Großzügigerweise darf ich das Doppelbett belegen. Endlich sitzen! Die Zimmer haben einen etwas gewöhnungsbedürftigen Stil, doch das stört uns nicht weiter. Wir sind froh uns endlich etwas frisch machen zu können und kurz auszuruhen.

Nach der Verschnaufpause laufen wir die komplette Romford Road entlang um ein Internet Cafe zu finden. In einer Seitenstraße werden wir fündig. Achtung, wer frühmorgens Internet benötigt: Beide Cafes öffnen erst gegen 9 Uhr. Etwas erschöpft steigen wir in den Bus. Dieser sollte uns eigentlich zum Stratforder Bahnhof zurückführen, doch irgendwie fuhr er immer weiter und weiter. Wir steigen dann bei der nächsten Underground Station Mile End aus und fahren von dort zum altbekannten Westminster.

Westminster Abbey; London Eye; House of Parliament

Undergroundstation: Westminster

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Westminster Abbey; Big Ben

Hier kocht noch immer die Hitze, die Sonne scheint unerbittlich auf uns herab und wir suchen verzweifelt nach einem Schattenplätzchen zum Sitzen. Vorbei am Big Ben, Richtung London Eye wurden wir an der Themse fündig. Die Stufen bieten unter der breiten Allee einen ruhigen Platz. Das Sitzen tut wahnsinnig gut. Wir beobachten Menschen, starren in den Himmel und schauen, wie sich das Riesenrad in Zeitlupe im Kreis bewegt. Wie kann es sein, dass diese Stadt so voller Hektik und Business ein Riesenrad aufstellte, wo die Zeit still zu stehen scheint? Wo sich alles in Zeitlupe dreht und die Welt unter einem vorbeihetzt?
Nun wollen wir dieses Ding aber auch mal vom Nahem sehen. Und so schleppen wir unsere müden Körper an der Themse entlang, über die Brücke hinüber. Hier spielen Menschen alle erdenklichen Instrumente. Die Luft ist voll von Musik und das Auge huscht über das Wasser von links (dem London Eye) nach rechts (zum House of Parliament). Am Ende der Brücke, die Stufen wieder hinunter, steht noch immer das alte Karussell und dreht sich munter im Kreis. Nichts hat sich hier verändert. Alles am alten Fleck. Das London Eye ragt über uns empor. Menschen tummeln sich umher. Sie liegen im Park auf den Wiesen, die so ein unvorstellbar sattes Grün haben. Manche hören den Straßenmusikern zu, andere schauen sich den Seifenblasenkünstler an. Die riesigen, zarten Blasen fliegen über die Themse davon und zerplatzen. Ein wundervoller Ort um in einen Urlaub zu starten. Vorbei am Riesenrad, dem London Dungeon und Sea Life, finden wir uns dann in einem der berühmten Fast Food Restaurants wieder, um ein Eis zu schlecken. Auf dieses werde ich auch direkt angesprochen. Lecker ist es. Es gibt meinen ausgezehrten Körper wieder genug Energie, um über die Brücke zurück zum Big Ben zu laufen. Hier entschließen wir uns kurzerhand für die Wiese vor der Westminster Abbey, um dort eine Weile zu ruhen. Die graue, riesige Kirche ist von Menschen umzingelt. Sie strömen hinein und hinaus und fotografieren wie wild.
Unsere Energie lässt soweit nach, dass wir nun endlich wieder in die U-Bahn zurück taumeln und uns auf den Heimweg machen. Die Dusche im Hotel und das Bett rufen schon.

Liebe

x Wann immer jemand Englisch spricht.

x Endlich im Hotel anzukommen.

x Als alles Bekannte wieder auftauchte.

x Das Eis am Themseufer schlecken.

4 replies to “Wo Seifenblasen auf Hektik treffen. (London: Tag 1)

  1. Willkommen zurück, liebe Ines!

    Bei dem was und wie Du es geschrieben hast, über Deinen ersten Tag der Londonreise, spürt man, wie sehr Du voller Eindrücke vom Erlebten bist.
    Ich bin gespannt auf Deine weiteren Berichte, werde (natürlich) alles lesen.

    Ich hoffe, dass Du jetzt noch ein bisschen Zeit hast, erst einmal wieder ein bisschen anzukommen und nicht gleich so sehr mit Alltagpflichten überhäuft wirst.

    Viele schöne Grüße!

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    1. Vielen Dank! 🙂
      Auch dieses Mal war es wieder ein wahres Glück diese Reise zu machen.

      Ich bin leider schon wieder mittendrin im Alltag und mich hat’s direkt auch erwischt. Somit bin ich jetzt ersteinmal zwangsweise ruhiggestellt und versuche mich ein bisschen auszukurieren.

      Liebe Grüße!

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