Eine Nacht mit Passenger

Freitag vor Pfingsten. Ich rate euch eins: Bleibt einfach alle zu Hause. Denn es ist ein einziges Chaos auf den Straßen. Ca. 400km Stau alleine in NRW, aber wir haben es uns ja ausgesucht. Unsere Mitfahrgelegenheit wartet schon. Das Auto provisorisch mit Klebeband zusammengehalten. Kratzer und Beulen ziehen sich über die ganze Seite. Der Kofferraum ist voll gestopft mit blauen Säcken.
Im Laufe der Fahrt stellt sich raus, dass der Herr Jäger ist. Das erklärt den Geruch nach totem Tier im Auto.

Zum Glück ist auch diese Reise irgendwann rum und wir stehen an der U-Bahn und wissen nicht, wie es weiter geht. Immer passieren solche Staudinge, wenn man es eh schon eilig hat. Heute ist unser Weg in Dortmund noch nicht zu Ende. Es soll weiter nach Bonn gehen. Und es ist 18 Uhr. Und das Konzert beginnt um 21 Uhr. Und ich will ganz vorne stehen. Aber ich glaube, da muss ich Abstriche machen…

Die Fahrt nach Bonn verläuft ohne große Komplikationen. Es wird schon langsam dunkel, als wir vor dem Brückenforum in der Schlange zum Parkhaus stehen. Das Parkhaus erscheint uns als voll und das ist das Beste, was passieren konnte, denn als wir die Straße weiter runter fahren, ist tatsächlich noch ein Parkplatz frei. Extra für uns. Extra damit wir jetzt richtig schnell zu Mike können.

In der ersten Reihe stehen wir natürlich nicht. Das Brückenforum ist nicht sonderlich groß, und es sind noch verhältnismäßig wenig Leute da. Nach einem gescheiterten Versuch nach vorne zu gelangen, stehen wir wieder am Ausgangsplatz. Aber wir könnten ihn sehen, wenn er denn schon da wäre und das reicht mir, um mich für den Platz zu entscheiden. Keine gute Idee, wie sich bei Beginn des Konzertes herausstellt. Die netten Damen rechts neben uns (alle ca. 14 Jahre), sind so aufgedreht und quatschen wie bekloppt. Rechts neben mir die Frau, ist wohl etwas kuschelbedürftig, und vor allem echt ignorant und egoistisch. Ständig habe ich ihre Haare im Gesicht und oft steht sie auf meinem Fuß. Ich bohre ihr meinen Ellenbogen in den Rücken und habe irgendwann die Schnauze voll. Vor ihr kann man eh besser sehen.

All das ist mit einem Schlag vergessen, als ein schlanker Mann mit Bart und Gitarre auf die Bühne tritt. Er hat noch kein Wort gesagt und ich würde ihn jetzt schon vom Fleck weg heiraten. Als er dann die ersten Töne ausspukt und mit glasklarer Stimme ins Mikro singt, ist es um mich geschehen.
Es ist sein Geburtstag und selbstverständlich wird ihm „Happy Birthday” gesungen. Aber eigentlich macht er uns das Geschenk mit seiner Anwesenheit und nicht wir ihm. Leider ist das Publikum nicht so euphorisch, wie ich es für ihn erhofft hätte. Sobald er singt, könnte man eine Stecknadel fallen hören. Nur bei „Let her go” rasten natürlich alle komplett aus. Immer wieder sagt er wir sollen nicht so schüchtern sein und mitsingen. Bei „The wrong Direction” und „Holes” klappt das auch einwandfrei, aber so richtig dabei scheinen mir die Leute trotzdem nicht. Zu „Circles” erzählt er eine ganze Geschichte und ich bin einfach nur begeistert, wie gut man jedes Wort von ihm verstehen kann. Kein Nuscheln oder sonstiges. Die Stimme ist live exakt so wie man sie aus dem Radio kennt (ich hätte auch nichts anderes erwartet). Mike bringt die Leute zum Schmunzeln und lachen. Von der einen Std und zwanzig Minuten ist er schon mind. 30 Minuten am Quatschen. Das macht ihn sympathisch. Am Liebsten würde ich alle Menschen nach Hause schicken und ein Bierchen mit ihm trinken. Leider denkt sich das wohl in dem Moment jeder.
Ich hoffe nur, dass er von den stummen, uneuphorischen Menschen Bonns nicht ganz so verschreckt ist und irgendwann noch einmal nach Deutschland kommt. Gerade weil diese Radiokonzerte einfach zu kurz sind und ich mich soeben verliebt habe. Da ist nun jemand, von dessen Worten möchte man kein einziges verpassen. Es ist Gänsehaut pur. Seine Stimme ist hoch, klar und trotzdem kratzig. Bin mir sicher, dass es das kein zweites Mal gibt. Der Mann mit der Gitarre, den Elbenohren und den dürren Beinen hat sich in mein Herz gesungen – schon lange bevor ich ihn dort oben auf der Bühne gesehen habe.

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2 replies to “Eine Nacht mit Passenger

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