The mighty, mighty, mighty power behind nature

Ein Familientag, ach wie wunderbar. Packt die Seifenblasen aus und die Erdbeeren in den Picknickkorb! Nein, ganz so läuft das bei uns eher nicht ab. Zwar fahren wir gerne mal ins Grüne (so auch heute), aber meistens tanzen wir dabei nicht unbedingt wie Freiheitskinder durch die Welt. Ich würde es tun, aber ich denke meine Eltern würden nicht mitmachen.

So ganz schlau wurde ich aus den Angaben, die sie mir machten auch nicht. In den Wildpark sollte es gehen. Interessant. Und tatsächlich: Sobald wir angekommen waren, sahen wir die ersten Enten. Nicht so aufregend, aber immerhin konnte man sagen, dass man in der Natur angekommen war. Leichten Schrittes folgten wir den Pfaden. Die ersten Käfige waren voller Vögel. Immer wenn ich solche Vogellauben sehe, schnürt sich mein kleines Herz zusammen. Die armen Dinger die dort den ganzen Tag nur hin und her fliegen können und ihren Freunden auf der anderen Seite des Zauns zusehen müssen, wie sie die ganze Welt für sich haben. Allerdings weiß ich nun endlich, wie der Vogel heißt, der ab und zu auf der Brüstung unseres Balkons sitzt. Rot strahlt er zwischen den Zweigen des Baums hindurch. (Nein, das ist kein Rotkehlchen – die hätte ich schon als Kind erkannt.)

In dem nächsten Gehege entdecke ich träge Rehe. Alle sind am futtern und die Wiese auf der sie grasen ist quasi schon abgemäht. Manche haben ein ganz flauschiges Fell, weil sie noch so jung sind. Der Hirsch liegt neben dem Heuhaufen und döst. Sein Geweih ist ganz samtig und noch recht klein. Trotzdem scheint er sich darauf schon einiges einzubilden.
Neben den Rehe sind die Ziegen. Ich liebe diese kleinen, frechen Biester. Auch wenn sie ab und an schon versucht haben mich durch die Gegend zu schubsen, oder mir den Finger abzubeißen. Ich kann ihnen einfach nicht widerstehen. Die kleinen Ziegenmäuler und dieses Schmatzen. Einfach zuckersüß und gar nicht zickig.

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Die Luchse bekommen wir nicht zu sehen, dafür aber Fräulein Fuchs. Das rote Fell ist gleich zu entdecken. Der Fuchs scheint schon an die Menschen gewöhnt zu sein und kommt recht nah an den Zaun heran. Die Augen sehen müde aus. Ich wäre auch müde von der Welt, wenn ich alleine in diesem Gehege sitzen würde. Jeden Tag schreiende Kinder und kläffende Hunde um mich herum. Kein schönes Leben für Frau Fuchs.Mein persönliches Highlight hier ist gar kein Tier. Es ragt riesig, gigantisch, monströs in den Himmel. Kein Wolkenkratzer, kein Funkturm. Die pure Natur. Ein kanadischer Mammutbaum. Die Rinde ist ganz weich. Haben sich so die Mammuts angefühlt? Es würde mich nicht wundern, wenn gleich eines um die Ecke käme. Ich komme mir so winzig vor, als ich neben diesem Riesen stehe. Und weil das ja jeder mal gemacht haben sollte, umarme ich ihn kurzerhand. Na ja, zumindest so gut es geht. Schätzungsweise bräuchte man schon vier oder fünf Leute, um den kompletten Stamm zu umfassen. Und hoch ist er! So wie die Sonne zwischen den Zweigen hindurch scheint, ist die Welt in diesem Moment perfekt. Wenn man mich lassen würde, würde ich hier ewig unter ihm sitzen. Mein neuer Freund strahlt Ruhe und Schutz aus. Was der wohl schon alles über- und durchlebt hat?

Als wir uns doch noch zum Weitergehen zwingen, habe ich den Baum schon wieder fast vergessen. Meine Mädchenaugen sehen etwas absolut niedliches. Ich könnte vor Freude aufkreischen. (Natürlich tu ich das nicht.) Kleine Frischlinge buddeln vergnügt im Schlamm. Fünf Stück tapsen über den matschigen, durchgewühlten Boden. Immer aufmerksam beobachtet vom Muttertier. Der Maggigeruch liegt in der Luft. Wären die doch immer nur so klein! Wie ein Haufen Welpen hüpfen sie immer hinter den Großen hinter her. Manchmal quieken sie erschrocken auf.

Später, nachdem wir den Park verlassen hatten, um die wahre Natur noch etwas zu genießen, beobachten wir noch Spechte, Greifvögel und Eichelhäher. Die Wurzeln der alten Bäume schlängeln sich die Berge hinunter wie dicke Schlangen. Kleine weiße Blümen sprießen aus der Erde. Auch wenn ich ein Naturkind bin, jedes Mal alles in mich aufsauge und diese Tiere und Pflanzen  nichts Neues oder Außergewöhnliches für mich sind, freue ich mich immer wieder auf‘s neue sie beobachten zu können.
Schade, dass die meisten Menschen die Natur nicht mehr so zu schätzen wissen. Oder sie gar nicht mehr so behandeln, wie sie es verdient hätte…

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3 replies to “The mighty, mighty, mighty power behind nature

  1. Schön geschrieben! Hast mich mit Deinen Zeilen mitgenommen durch den Wildpark…

    Ich habe jedesmal ähnlich zwiespältige Gefühle, wie Du sie hier angedeutet hast, wenn ich in Tierparks unterwegs bin. –

    Ich bin dennoch nicht gänzlich gegen solche Parks, vor allem dann nicht, wenn sie wirklich großzügige Anlagen haben, weil vor allem Kinder wohl nur so die Gelegenheit haben, manche Tierarten überhaupt einmal ein bisschen aus der Nähe beobachten zu können. Und in manchen Tiergärten werden ja auch Tiere vorübergehend aufgenommen, quasi um ihnen Asyl zu gewähren, sie zu heilen oder Ähnliches.

    Deine letzten beiden Sätze unterschreibe ich aus vollem Herzen!

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    1. Vielen Dank! 🙂

      Ich stimme dir auf jeden Fall zu. Einerseits gehören diese Tiere nun mal in die Wildnis. Andererseits: Wenn es ihnen dort gut geht, darf man nicht rummosern. Wenn dann noch die Kinderaugen glitzern, bei all den tollen Tieren, kann man die großen Anlagen so unterschreiben.

      Und vielleicht tragen solche Parks ja auch dazu bei, die Natur etwas besser zu verstehen und sie wieder ehrfürchtiger zu behandeln…

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