Der Feiertag der Iren

St. Patricks Day. Grün ist die Welt an diesem Sonntag gewesen. (Oder blau, wenn man nach den alkoholisierten Menschen geht.) Unzählige Liter Bier sind geflossen und unendlich viele Menschen waren mehr als angetrunken. Was die Iren feiern, feiern wir einfach mit.

16:30 Uhr: Ich nippe an meinem ersten Guinness für den heutigen Tag. Die Mannschaft neben uns sitzt wohl schon etwas länger an ihrem Tisch. Mit ihren halb grünen Gesichtern und grünen T-Shirts lächeln sie schon ziemlich angetrunken durch die Gegend. Unser Tisch ist der letzte freie im Pub. Die Parade kommt nur wenige Minuten später nach uns in die dunkle Höhle und es wird brechend voll. Hocker haben wir keine mehr bekommen. Aber immerhin haben wir einen Tisch. Und Tattoos. Irish Spirit. Klar, was umsonst hier rumfliegt, wollen wir auch mitnehmen, das ist keine Frage! Also warten wir auf die zwei verschollenen Freunde und verziehen uns dann auf Toilette. Hier klatschen wir uns die Tattoos auf die Haut und fühlen uns jetzt schon gut.

Wieder zurück im Gedränge wird es immer voller und voller. Die Gruppe am Nachbartisch hat Luftballons. Verdammt, ich will auch so einen! Doch erstmal erschnorren wir uns von sämtlichen Leuten 4 Stühle zusammen, nachdem wir auf der Fußablage des Tisches nicht mehr sitzen konnten. Der Typ neben mir hat panische Angst, dass ihm etwas ins Getränk gemischt wird. Ständig hält er sein Glas zu, er rückt es immer wieder hin und her und das so lange, bis es in der Mitte seines Bierdeckels steht.  Ich will so einen verdammten Luftballon!

Mittlerweile ist es 18 Uhr. Wir trinken immer noch von unserem zweiten Glas und trotzdem singen wir fröhlich mit. In the green! Das Zwischenklatschen gelingt bei dem immer schneller werdenden Lied nicht mehr. Das Trinken danach schon.
Endlich hat ein Freund einen Luftballon gestohlen, doch ich bemerke schon bald: Er nervt. Jeder dotzt dagegen und ständig bekomme ich das Ding ab, weil die Schnur zu kurz ist. Versuchen wir es doch mit einem Trick. Der Typ vom Nachbartisch mit dem Ballon steht nun neben mir. Tauschen will er aber nicht. Was für ein Spielverderber. Sein Kumpel allerdings hat noch eine Luftballonschnur um den Hals hängen. Ich nehme sie einfach. Immerhin hat er ja schon einen Hut. Den er sich gekauft hat. An der Bar. Und verdammt: Ich will auch so einen Hut!
Nach einer etwas gescheiterten Hutklauaktion, gebe ich ihm den wieder zurück. Er tut mir Leid, denn er sieht traurig aus ohne Hut. Und er sieht eh aus, als würde er jeden Moment anfangen zu weinen. Außerdem hat er zu viel Geld dafür bezahlt… Aber einen Hut kriege ich noch irgendwoher.

Erstmal werde ich ständig angerempelt und frage eine Millionen Menschen, ob sie nicht auf die Tische klettern können, um mir einen Hut zu holen. Und plötzlich tut es jemand. Er klettert neben mir auf den Hocker und holt unbemerkt einen Hut herunter. Ich freu mich fast so sehr wie die Schneekönigin. Als Tausch, gebe ich ihm mein Luftballon mit. Manchmal sind betrunkene Menschen einfach nur herrlich.

Im weiteren Verlauf des Abends bestellen wir uns noch zwei Pitcher. Die Luftballongruppe neben mir hat noch Kilkenny über und ich stelle mein Glas einfach mit in ihre Reihe. Auch der Trick funktioniert. Großzügig schütten sie mir die letzten Schlucke aus ihrem Krug ein. Der Typ hinter mir hat den besten Hut aus dem ganzen Pub. Seiner Aussage nach direkt aus Irland. Und später habe ich ihn, in meiner Tasche. Wieder werde ich angerempelt. Wieder beschwere ich mich. Meinen ersten Hut habe ich verschenkt. Und ich brauch noch einen dritten. Für eine Freundin. Der halb grüne Hulk hinter mir verschüttet erstmal mein letzten Rest Bier. Ich bekomme ein neues. Einen Hut will er mir nicht holen. Aber die Menschen am Nebentisch haben Zuwachs bekommen und der Typ rempelt nur rum. Also versuche ich ihn zu überzeugen, dass er die Hüte von der Decke holen soll. Zu betrunken und schon ist mit den Menschen auch nichts mehr anzufangen. Alle seine Freunde gehen an die Decke. Wortwörtlich. Jeder zupft sich so ein Ding darunter und irgendwann habe ich auch einen. Für zwei Minuten, denn die Kellnerin bemerkt, was da abgeht. Warum um alles in der Welt wird nur mir der Hut weggenommen?! Irgendwas stimmt da nicht. Egal, ich habe genug für heute. Die Ausbeute meines stundenlangen Redens kann man als gelungen bezeichnen. Mehr wollte ich gar nicht.

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