Ruhrpottliebe und Gebetsteppiche

Es ist Wochenende. Freitag. Und wieder steige ich zu einer fremden Person ins Auto. Mama’s Warnung im Hinterkopf: „Niemals zu fremden Männern ins Auto steigen!“ Gut, dass das kein Mann ist und gut, dass ich sie für die Fahrt bezahle.
Meine Mitfahrgelegenheit ist eine frohe, nette und sehr gesprächige Person und sie fährt ziemlich verantwortungsbewusst. Ich glaub ich kann ihr vertrauen. Eigentlich ist das nicht mein Ding. Mit Leuten mitfahren – ich als schlechte Beifahrerin ohne eigene Bremse. Hier funktioniert es.
Nach ein paar Minuten Smalltalk, steigen zwei weitere dazu und wir können endlich losfahren. Mit den ersten paar Metern auf der Autobahn, überkommt mich die Vertrautheit dieser Strecke. Erinnerungen an alte Mitfahrgelegenheiten und all ihre einzelnen Geschichten. Die Orte, an denen ich rausgelassen wurde. Bochum, Düsseldorf, Wuppertal, Dortmund…

Auch jetzt bin ich wieder auf dem Weg in den Ruhrpott. Nach etlichen Jahren. So oft vorgenommen und trotzdem nie geschafft. Dabei war das mal quasi mein zweites Zuhause. Die beiden auf der Rückbank sind nach ein paar Kilotmetern eingeschlafen. Die Fahrerin telefoniert über die Freisprechanlage mit ihrem Freund und ich muss teilweise ein Lachen unterdrücken. In Gedanken vertieft, fliegen die Kilometer dahin. Ruhrpott: Kultur. Landschaft. Industrie. Oder so ähnlich. Und plötzlich sind wir kurz vor Dortmund. Sobald wir auf die B1 fahren, kenne ich mich aus. Hier war ich schon öfter. Es ist beinahe wie nach langer Zeit nach Hause zu kommen, obwohl das nicht mein Zuhause ist. Sie lässt mich am Hauptfriedhof raus und ich will abgeholt werden. Die drei brausen davon und ich bibber in der Kälte. Ab zur U-Bahn die gar nicht unterirdisch, sondern ueberirdisch ist. Was für komische Sachen die hier im Pott machen. Ich wunder mich jedes Mal. S- Bahnen sind keine Straßenbahnen und U-Bahnen fahren wie Straßenbahnen. Verkehrte Welt.

Wie ich da so ca. 50 Minuten an der U-Bahn Haltestelle stehe und mich frage, wie es kommt, dass ich hier an der B1 jämmerlich erfrieren werden, fragen mich ständig Leute nach dem Weg. Nur weil ich hier so vertrauenswürdig und gelassen aussehe. Gebt’s doch zu! Das heißt aber nicht, dass ich weiß, wohin die Bahn fährt. Sonst wäre ich doch schon längst weg, Mensch! Beziehungsweise würd ich das noch finden, wo ich hin muss, allerdings verwirrt mich der Ticketautomat. Einzelticket ist ja logisch, aber was bedeutet das K und das A? Brauch man das wirklich? Irgendwann trudelt auch mal der werte Herr ein und wir ziehen Ticket A. (Scheinbar allgemein und nicht K wie Kurzstrecke. Die Westfalen…) Ziemlich glücklich sitze ich dann endlich in der U-Bahn, die tatsächlich noch unterirdisch weiterfährt.

Nach Umsteigen, Umhergehetze und Fußweg sind wir am andere Ende Dortmunds angekommen. Ich bin erstaunt, dass hier überhaupt eine Bahn hinfährt. (Schätze das haben sie dem Stadion zu verdanken, was ja unglaublich sehenswert ist.) Demonstrativ zur Seite schauen. Es wird dunkel. Jetzt schon! Aber auch wir kommen irgendwann irgendwo an. Leider kann ich meine Füße nicht mehr spüren und werde dann auch noch dazu überredet Fahrstuhl zu fahren. Das klingt ja wunderbar.
Immerhin ist die Wohnung warm und als ich eintrete, frage ich mich wahrhaftig, wozu der Kerl diesen Gebetsteppich braucht, der einmal quer durch das Zimmer ausgebreitet ist. Vielleicht passt er sich ja seinen Nachbarn an…

Sobald ich mich bequem hingesetzt habe, wird mir bewusst, dass ich Hunger habe. Leider heißt das, dass wir wieder in die kalten Schuhe müssen und hinaus auf die kalte Straße, hinein in die kalte Bahn. Natürlich siegt der Hunger und selbstverständlich will ich auch etwas von der alten Liebe sehen, wenn ich schonmal hier bin.
Die Innenstadt ist voller Menschen. Die Geschäfte haben noch auf und vielleicht haben die restlichen Leute es noch nicht mitbekommen, aber die Welt wird morgen nicht untergehen. Warum also so eine Hektik hier? Warum so shoppingwütig? Vielleicht weil diese Stadt einfach dazu gemacht ist. Wir schlendern also schnell durch die Fußgängerzone zur Thier Galerie. Die ist mir unbekannt. Aber was Neues ist ja auch nicht schlecht. Ist es wahrhaftig nicht, denn es gibt ziemlich coole Geschäfte, in die ich überall nicht hinein will. Erstmal zur Futterstelle. Bei der Suche nach dem geeigneten Essen drehen wir uns wahrhaftig im Kreis. Doch auch wir finden etwas. Katzenfutternudeln mit schwammigen, geschmacklosen Tofu vom Asiatenstand. Hmmm. Fühl mich ja auch ein bisschen ausgeschlossen, dass wir hier die Plastikgabeln aufgeschwatzt bekommen, während die neben uns mit Metallgabeln essen. Hoffe nur, dass sie die Plastikgabeln nicht auch abwaschen und weiterverwenden.

Nach einem leckeren Abendbrot, in dem vielleicht auch Pferdefleischsoße war, möchte ich doch nochmal genauer die Läden in Augenschein nehmen. Primark… Heute nicht. Trotz meines gründlichen Suchens und Begutachtens, finde ich nichts, was ich auf Anhieb kaufen würde. Entweder hässlich, oder zu teuer. Oder ich hab’s übersehen. Aber egal. Langsam überkommt mich eine kleine Welle der Erschöpfung. Deshalb bin ich auch recht froh, als es endlich wieder zurück durch die Fußgängerzone Richtung Reinoldikirche geht. Und wie so oft frage ich mich, warum diese großen Städte mich permanent anziehen. Vielleicht sind’s die Lichter in der Nacht. Die Menschen sinds bestimmt nicht.

One reply to “Ruhrpottliebe und Gebetsteppiche

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