London (Tag 3) – Prinz Harry und der Knallfrosch

Eton; Windsor

Der Himmel zeigt graue Wolke, wohin man nur schaut. Selbst als wir im Bus saßen, sahen wir nur das Grau. Etwas eintönig. Der Wind hatte uns komplett durchgepustet. Wenn es zu regnen beginnen würde, würden wir mit den Schirmen keinen Spaß haben.
Diesmal dauerte die Fahrt nur ca. 45 Minuten, worüber wir sehr glücklich waren, da die angenehme Wärme und das Schunkeln des Busses zum Einschlafen einluden. Als wir nach Eton hinein fuhren, fielen mir wieder die kleinen Cottages auf. Rote Häuser, in kleinen engen Straßen. Wie gerne hätte ich so ein Häuschen mal von Innen gesehen! Ich starre aus dem Fenster und verliebte mich immer wieder aufs Neue. Unser Bus hielt an einer Ecke und unvorbereitet wurden wir hinausgescheucht.

Gegenüber des Eton Colleges blieben wir stehen.  Dieses Gebäude, was eigentlich wie eine kleine Burg aussah, hatte auch schon Prinz Harry und Prinz William beherbergt. Außerdem ließen alle reichen Scheichs ihre Söhne hier ihr Abitur machen. Das Eton College ist eine reine Jungenschule. 25.000 Pfund werden pro Trisemster geblecht. Hinzu kommen die 1.500 Pfund Einschreibungsgebühr jedes Jahr, ebenso wie die 800 Pfund für verschiedene Sportkurse. Also wenn ich ein Junge wäre, würde ich natürlich auf der Stelle mein Abi hier machen. Die Älteren werden von den Jüngeren quasi bedient und es wird Wert auf Teamfähigkeit gelegt. Bei den 7-11 qm großen Zimmerchen, muss man das wahrscheinlich auch sein. Die Reichen lernen hier also das „primitive“ Basisleben der normalen Gesellschaft kennen. Kein schlechtes Prinzip. Trotzdem studieren sie in Anzügen. Eine Pinguininsel ist das hier also.

Wir schreiten durch einen Torbogen auf verbotenes Gelände. Nur einen kurzen Blick in den Innenhof, hinein in die Fenster schauen und sehen, dass die Schulbänke aussehen wie aus Uromaszeiten. Zum Glück gibt es in normalen Schulen vernünftige Stühle und keine Schulbänke auf denen selbst ich mich wie ein Riese fühlen würde. Es geht weiter in den kleinen Ort. Die Kapuzen werden tiefer ins Gesicht gezogen, der Regen prasselt auf uns nieder. Er lässt die kleinen Häuschen glänzen, trotz der grauen Wolken. Bunte Häuser die Wohnungen, Geschäfte und Friseure beherbergen. Für einen Touristenanlaufpunkt ist es hier sehr ruhig. Kaum andere Menschen sind unterwegs. Für uns geht es nun über eine breite Brücke. Da fließt sie dahin, die Themse, immer Richtung London. Am Ufer tummeln sich weiße Gestalten. Unzählige Schwäne. Ich habe noch nie so viele Schwäne gesehen.

Wie es so ist, stehen Schlösser ja meist auf Bergen. Windsor konnten wir schon von Weitem entdecken. Die graue Mauern der Festung ragten über der Stadt und umso näher wir kamen, umso größer wurden sie. Das Schloss lag auf der höchsten Ebene. Kaputt vom Laufen kamen wir oben an. Zum Besichtigen war uns nicht zu Mute, da der Eintritt wieder happig teuer erschien. Die erste Straße die sich uns anbot, liefen wir entlang. Welch Wunder, die Fußgängerzone! Na, da schauen wir doch mal wieder in die unzähligen Boutiquen. Im Winterschlussschnäppchenkauf waren wir ja mittlerweile geübt. Teilweise wunderten wir uns jedoch über den komischen Geschmack der Engländer. Ich hielt bunte Hosen und Stücke von Stoffen hoch, ohne das ich wusste, wie man das eigentlich anziehen sollte. Geschweige denn zu welchem Anlass. Auch hier liefen die abgehärteten Briten wieder in kurzen Sachen durch die Gegend. Als wäre es Sommer, unglaublich.
Zwei Stunden hatten wir nun Zeit, in denen wir weiter bummelten. Unser nächster Stopp war eine Einkaufshalle, unter der sich kleine Geschäfte, Cafes und Marktstände befanden. Wir blickten kurz in einen engen Süßigkeitenladen hinein. Nachdem uns schon vom Gucken und Riechen der Magen grummelte, strebten wir wieder den Treffpunkt an.

Baker Street

An der Baker Street spuckte uns der Bus wieder aus. Der Regen klatschte einem ins Gesicht. London hatte seinen Reiz für zwei Sekunden verloren. Nun noch schnell die paar Andenken in den Geschäften kaufen. T-Shirts, Schlüsselanhänger, Jacken. Ein Regenschirm, der den englischen Wind stand hält, wäre nicht schlecht. Die Zeit lief doppelt so schnell, unsere Beine waren kaputt vom vielen Laufen. Die Entscheidung war schnell gefasst: Ab in die Tube und erstmal zum Hotel.

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Silvester; Walkabout

Frisch geduscht, ausgeruht und mit den Tickets für den Pub, saßen wir ein paar Stunden später wieder in der Tube. Das Walkabout lag direkt an der Themse. Wir hatten uns zu der geplanten Silvesterparty entschlossen, um nicht 5 Stunden an der Themse in der Kälte zu stehen und auf das Feuerwerk zu warten. Außerdem hatte unsere Reiseleitung versprochen man könne direkt an den Fenstern sitzen und von dort aus auf das London Eye schauen. Da haben wir aber gelacht. Besagte Fenster gab es, doch die waren im VIP-Bereich. Silvesterabend, 20 Uhr im Pub, das eher eine Diskothek war. Eine Kette aus Australien. Wir drängelten uns hinein, gaben unsere Jacken ab und ergatterten einen Tisch im Nebenraum. Dort wurden erstmal sämtliche Getränke getestet. So langweilten wir uns bis 22 Uhr, bis wir dann beschlossen doch noch mal in den brechendvollen Hauptraum zu gehen und mitzutanzen. Die Musik war schlecht. Boybandlieder bis zum Abwinken. Wir tanzten trotzdem halbherzig mit, um das beste draus zu machen. Um 23:00 Uhr wurde den Freunden in Deutschland ein frohes neues Jahr gewünscht. Um 23:40 Uhr holten wir unsere Jacken aus dem nun schon überfüllten Ankleideraum. Bis wir draußen auf dem Bürgersteig den besten Platz zwischen den Millionen Menschen gefunden hatte, waren es dann auch nur noch 10 Minuten bis Mitternacht.

Aus den Lautsprechern tönte Musik und über uns kreisten die Helikopter. Wir zählten den Countdown runter. 5, 4, 3, 2, 1… Das London Eye spukte Feuer. Ich war wie in einen Bann gezogen. Alle begannen zu jubeln und johlen. Ein Lächeln stahl sich auf unsere Gesichter. Die Farben explodierten in der Luft. Rot, Blau, Grün. Immer wieder neue Feuerwerksformationen. Das Riesenrad sah man nach kurzer Zeit vor lauter Qualm nicht mehr. Als die letzten Raketen verloschen waren, war es 00:30 Uhr. Ich schaute mich um und entdeckte regungslose Menschen in den Bäumen, auf den Laternen, auf Dächern von Pavellions. Alle hatten sie das fantastische Feuerwerk gesehen. Und alle drängten nun los, um mit den U-Bahnen zur nächsten Party zu fahren. Manche Ausgänge auf die Nebenstraßen waren verschlossen. Die U-Bahnen fuhren nicht. Uns graute Schlimmes. Immer wenn wir die Security Männer nach der nächsten OFFENEN U-Bahn Station fragten, schickten sie uns in andere Richtungen. 30 Minuten nach rechts, 20 nach links. Wir liefen an der Themse auf uns ab, bis wir endlich einen vernünftigen Weg einschlugen. Immer den Menschengrüppchen vor uns hinter her. Gegen 2 Uhr fanden wir endlich an der St. Pauls Church eine offene U-Bahn Station. Wir trennten uns von T., für den es nun schon wieder nach Hause ging. Als wir am Bahnsteig standen und ich den Windstoss und das laute grölen der ankommenden Bahn in mich auf nahm, wollte ich diese Stadt nicht mehr verlassen. Trotz all der Strapazen und die lange Suche nach der richtigen U-Bahn, wollte ich nicht mehr Heim. Zum Glück hatten wir noch  einen letzten Tag.

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