London (Tag 2) – Harry Potter und Sherlock Holmes

Oxford; Universität

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Kein typisches englisches Wetter, aber wir freuten uns natürlich riesig darüber. Heute sollte es nach Oxford gehen. Eine Katja erwartete uns an einem nobel aussehenden Doppeldeckerbus. Selbstverständlich geierten alle auf die Plätze ganz vorne, oben. Und als die Türen dann geöffnet wurden quetschte ich mich an den anderen vorbei und sicherte uns die beiden begehrten Plätze. Hui, das war eine Aussicht! Wir wollten endlich losfahren, um das Abenteuer zu beginnen, doch es dauert noch, bis alle im Bus waren. Als wir dann wirklich losrollten, und dann auch noch auf der linken Seite der Straße, benahmen wir uns erstmal wie kleine Kinder an Weihnachten. Immer schön aufpassen wo es lang ging. Immer aufmerksam den Weg verfolgen.

Nach Oxford fuhren wir ca. 1 ¼ Stunden. So erklärte uns Katja während der Fahrt noch, wie Oxford zu seinem Namen kam. Die wirkliche Geschichte lautete so:
Damals mussten die Ochsen (Ox) an der niedrigsten Stelle des Flusses (-ford) hinüber geleitet werden und so entstand an dieser Stelle ein kleines Dorf, dann eine kleine Stadt.
Die etwas abwegigere Geschichte erklärte sie ziemlich lebendig: Es war einmal ein hübsches Mädchen und wie das mit den heißen Bräuten so ist, gab es natürlich einen Prinzen, der auf sie stand. Der verfolgte sie immer und überall hin – auf Neudeutsch würde man ihn Stalker nennen. Und das Mädchen immer so „Neiiiin, nein, geh weg, ich will dich nicht.”, und er immer so hinter her „hehehe, ich kriege dich!”. Irgendwann hat dann das Mädchen zu Maria gebetet und sie um Hilfe gefragt, so nach dem Motto: „Maria, wenn du mir hilfst, bau ich dir eine Kirche!” und Maria dann so „Ja, klar. Dann helfe ich dir”. Als dann der Prinz ihr durch den Wald folgte, hat die Maria ihn verschrumpeln und verdörren lassen und das Mädchen hat genau an der Stelle aus einem Baumstamm eine Kirche geschnitzt. Da frag ich mich dann, wie hat die das gemacht? Mit dem Messer? Oder eher so die Bibertechnik mit den Zähnen? Auf jeden Fall findet man in Oxford in der Kirche noch einen Holzbau.

Wir lachten uns schief über diese nett ausgeschmückte Geschichte und kriegten uns beinahe nicht mehr ein. In Oxford angekommen hielt der Bus an einer ganz gewöhnlichen Bushaltestelle. Wir huschten alle hinaus (Achtung, der Tod kommt von rechts) und hinauf auf den Bürgersteig. Nun führte uns Katja in Richtung Universität.  Die Essenshalle der Studenten diente zumindest als Vorlage für die große Halle in Hogwarts in den Harry Potter Filmen. Ebenfalls besichtigen konnte man wohl die Treppen, die (leider nur im Film) munter durch die Gegend schwangen. Wir wollten das jedoch nicht. Unsere Pfund waren uns dann doch etwas zu kostbar. Und das hört man von Frauen ja eher selten.

In Oxford gab es mehrere Universitäten, alle recht klein, aber nah einander liegend. Alle Premierminster hatten hier studiert und, wie man sich schon denken kann, schaffte man es nur mit reichen, bekannten Eltern hierher. Wir also nicht. Aber ob ich die gewisse Arroganz der Oxforder Studenten überhaupt mitbringen könnte, bleibt auch zu bezweifeln. Wir schlenderten nun weiter über den Campus, vorbei an dem großen beigen Gebäude. Mit viel Fantasie konnte man sich vorstellen Harry Potter zu sein, obwohl wir die Dining Hall ja gar nicht gesehen hatten. Vor dem hellen Steinbau blieben wir stehen. Auch hier „Keep off the grass”. Off the really green grass! Als wir uns nach rechts drehten, staunten wir über den schönen See, der idyllisch dort lag. Über unseren Irrtum wurden wir schnell aufgeklärt. Die Wassermassen waren kein See, sondern einfach nur eine überschwemmte Wiese.

Katja erklärte weiter, dass Alice aus dem Wunderland hier gelebt hätte. Sie wäre mit ihrem Kater durch den Park hinter uns geschlendert. Für alle Alice Fans gibt es im Dorf auch einen Alice Fanshop. Wir trotteten erstmal weiter. Hinter dem Tor begann ein kleiner enger Weg. Übersäht mit Pfützen, aber gesäumt von der orangen Hecke auf der rechten Seite und der Mauer des Gebäudes auf der Linken. Einfach nur bezaubernd. Angetan von der ganzen Sache schritten wir auf das Ende des Weges zu. Hier erwartete uns eine Straße mit schnuckeligen Häusern. Immer noch im Beigeton. Katja führte uns weiter, kleine Gassen entlang, bis zum Lesesaal der Studenten. Ein rundes, großes Gebäude. Niemand der hier nicht studierte, durfte es betreten, was ich ziemlich schade fand.

Auf der rechten Seite, etwas weiter die Straße hinunter, sahen wir eine Brücken, die zwei Gebäude verband. Die Seufzerbrücke aus Venedig. Hier mussten alle Studenten hinüber, denn die Klausuren wurden quasi auf der anderen Straßenseite geschrieben. Vielleicht auch daher der Name der Seufzerbrücke? Wir folgten der Masse weiter Richtung Fußgängerzone.
Ein paar Meter weiter trennte sich die Gruppe dann. Wir liefen vorbei an Studentenläden und Cafes hinein in die belebte Fußgängerzone.
Hier entdeckte ich an der Ecke ein altes, windschiefes Fachwerkhaus. Wie es so standhielt, war mir ein Rätsel. Den Rest der Zeit verbrachten wir mit shoppen. Wir durchforsteten die Läden von vorne bis hinten und lauschten den Straßenkünstlern, die mit Blasinstrument, Loopstation und Rap die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Zeit verging rasend schnell und wir hätten uns von oben bis unten eindecken können. In den Collegeshops hingegen fanden wir nicht allzu viel und auch so gingen wir am ersten richtigen Shoppingtag eher sparsam mit unserem Geld um.

Kurz vor unserem Ziel entdeckten wir noch den Alice Shop. Viel zu überfüllt und klein war der Laden, so dass wir direkt wieder hinausstolperten und uns lieber an die Bushaltestelle zum Warten aufstellten. Der Bus kam nach wenigen Minuten und wir ließen uns wieder auf die vorderen Plätze nieder. Dann ging es zurück nach London.

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London; Baker Street; Kings Cross

Am überfüllten Madame Taussad wurden wir hinausgeschmissen. Hier versperrten die kilometerlangen Anstehschlangen die ganzen Gehwege. Auf der Suche nach T., der uns hinterher gereist war, rempelte ich unzählige Menschen an. An der Kreuzung Baker Street fanden wir ihn. Erstmal die Souvenirläden abklappern. Schlüsselanhänger, T-Shirts aller Art, Postkarten, und so weiter, und so weiter. Wir merkten uns die Preise, um eventuell die nächsten Tage wieder zu kommen und zuzuschlagen. Nun ging es jedoch erstmal in die Tube. Die Treppen zur U-Bahn hinunter und ein Ticket kaufen. Dann fühlte ich mich plötzlich wieder an eine Harry Potter Szene erinnert. Als ich durch die Ticketkontrolle durch die kleinen, sich selbst öffnenden Türchen schritt, kam ich mir genauso verzaubert vor, wie Mr. Weasley in der Muggelwelt. Und irgendwie passte das ja auch, denn wir waren auf dem Weg zum Bahnhof Kings Cross, um das Gleis 9 ¾ zu besuchen.

Als wir ankamen, war ich erst einmal von der riesigen Bahnhofshalle überrascht und starrte mit offenem Mund die Decke an. Diese war hoch und weiß und irgendwie sah sie aus wie ein Dach eines Fußballstadions. Scheinbar bin ich ziemlich schnell zu begeistern, von Großstädten sowieso. Weiter ging es auf Gleis neun. Hier wunderten wir uns, wo das Gleis wohl sein sollte. Keine Menschenseele zu sehen. In den Durchgängen zu Gleis zehn fanden wir ebenfalls nichts. Das konnte doch nicht sein. Kein Gleis 9 ¾. Als wir gerade fragen wollten, entdeckten wir es doch noch. Eine ganze Menschenschlange hatte sich davor aufgereiht.

Nach einem gemeinsamen Foto mit P. besuchten wir noch den Harry Potter Shop. Wow! Zauberhaft. Es gab unendlich viele Zauberstäbe, fast wie bei Mr. Olivander. Und es gab Slytherin und Gryffindor Schals, Caridigans und und und. Alles was das Potterherz begehrt. Ketten wie den Zeitendreher von Hermine, oder die Heiligtümer des Todes von Luna. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr gehen, aber da die Preise unrealistisch waren und man die Sachen nur bezahlen hätte können, wenn man sich Geld zaubern könnte, verschwanden wir recht schnell wieder.

Picadilly Circus; Pubtour

Durchquerung des Kings Cross, hinunter zur Tube. Hinein in die dunkle Bahn. Und hinaus am Piccadilly Circus. Hier waren wir jetzt zum Shoppen angekommen. Erst noch ein paar Fotos vor der großen Leinwand. Dann hinein in den Great Britan Shop. Der Laden war riesig und alles, wirklich alles was es an Souvenirs gab, konnte man hier finden. Auch die nächsten Geschäfte wie Littlewhites waren einfach nur ungewöhnlich groß. Alle Geschäfte die wir abklapperten, hatten leider nicht die gewünschten Sachen. Gut für uns, so hatten wir noch Geld um eine hot chocolate bei Pret zu trinken.

Endlich im warmen ließen wir uns am Fenster nieder und beobachteten die hektischen Menschen die vorbeiströmten. Der Verkäufer war ebenfalls ein Deutschlandliebhaber und konnte gar nicht verstehen, wieso wir nicht zu Hause feierten. Mensch, Briten, hier ist es doch auch toll! Nach der kleinen Stärkung schlenderten wir weiter. An riesigen Kinos vorbei, Plätzen mit weihnachtlich geschmückten Bäumen, dem Radiosender bis hin zu einem Kreisel, an dem reger Verkehr herrschte. In den Schaufenstern entdeckten wir liebevoll verzierte Cupcakes, teure Kleidung und weitere Souvenirs.

In Soho betraten wir das ersten Pub. Die Captains Cabin war nicht so voll wie erwartet und sehr gemütlich. Ich schaute mich um und setze mich mit P. auf die Treppe gegenüber der Theke. T. holte sich ein Guinness und so blödelten wir ein bisschen rum. Nach guten 20 Minuten verließen wir das Pub wieder. Draußen war eine etwas dunklere Straße, doch London als sicherste Stadt Europas, hatte natürlich zehn Kameras auf uns gerichtet. Nun wurde auch erklärt, warum die Pubs alle drei Eingänge hatten. Früher war es strikt aufgeteilt in reiche Menschen (Eingang 1), mittelreiche Menschen (Eingang 2) und arme Menschen (Eingang 3). Was man nicht alles lernt! Wir folgten weiter die Straße hinunter, vorbei am Hollywood, in dessen Schaufenster viele Gegenstände aus Filmen beherbergt wurden. Weiter ging es, hinein in das Schwulenviertel. Ich hatte den Übergang gar nicht bemerkt, doch plötzlich waren überall Männer. Es gab Restaurants für Männer, Geschäfte für Männer, Diskotheken für Männer, sogar ein Rotlichtviertel für Männer. Nackte Männer sahen wir am Sonntagabend jedoch nicht.

Schon bald verlor ich die Orientierung, weil wir ständig in neue Straßen abbogen. Kurz nach dem Schwulenviertel blieben wir wieder stehen, direkt vor der Bar Italia. Das kleine weiße Haus mit dem Restaurant drinnen steht im berühmten Buch der Rekorde. Seit 1945 in Familienbesitz und keinen einzigen Tag geschlossen gehabt. Das nenne ich tatsächlich eine Leistung. Unscheinbar eigentlich, aber doch verbirgt sich dann eine Geschichte dahinter. Unsere Tour ging jedoch noch weiter – direkt hinein ins China Town.  Augen aufhalten, denn es werden merkwürdige, kuriose Dinge hier verkauft. Affenköpfe, Ratten und Ducks drehen sich an Spießen hinter den verglasten Fronten der Snackbars. Mir dreht sich nur der Magen um, was anderes dreht sich bei mir gar nicht. Etwas weiter gibt es eine Apotheke in der, wie es üblich ist für Chinesen, die Medikamente aus vielen Zutaten zusammengemischt werden, je nach Krankheit. Die Supermärkte bieten all das europäische Essen in der nachgemachten chinesischen Variante an. Etwas eigen sind die ja schon.

Für uns geht es dann wieder hinaus aus China Town, am Radiosender vorbei. Plötzlich weiß ich auch wieder, wo ich bin. Ab zum Trafalgar Square. Hier begutachten wir die kleinste Polizeistation. Dort passt wahrhaftig nur eine Person hinein. Zum Glück muss dort niemand mehr den ganzen Tag drinnen stehen und aufpassen. Mittlerweile gibt es ja die Kameras. Der letzte Punkt der Pubtour ist das Sherlock Holmes Pub. Das Sherlock Holmes sieht von außen aus, wie jedes Pub in London. Niedliche schwarze Fassade, mit Gold verziert. Wir werfen nur einen kurzen Blick hinein. Es ist voll und laut und ich fühle mich wohl. Doch unsere Beine wollen nicht mehr, unsere Körper rufen nach den Betten. So verlassen wir das Pub wieder und machen uns auf den Weg in die Hotels. Erschöpft und unglaublich glücklich.

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