London (Tag I)

Köln; Calais

Wieder einmal stehen wir am Hauptbahnhof. Uns und unser Gepäck haben wir mit dem Zug hergeschafft. Um 21:30 Uhr soll der Bus ankommen, doch es ist schon 21:45 Uhr. Mit jedem Bus der um die Ecke kommt, denken wir aufs Neue, dass er es sein könnte. Irgendwann hält eine schrumpelige alte Kiste an der Bushaltestelle. Das kann doch nicht unser Bus sein! Die Reiseleitung steigt aus und rennt Richtung Busbuchten. Wir schlendern rüber und wollen uns doch noch einmal versichern, dass wir hier falsch sind. Die Überraschung folgt prompt. Die alte Molle wird unser Bus sein.

Wir fuhren los. Noch immer war uns nicht bewusst, dass es nach London ging. Wie letztes Jahr wussten wir, dass wir ewig fahren würden, aber dass das Ziel London sein würde konnten wir beide nicht wahrhaben. Wir dösten ein. Das Brummen des Motors, die heiße Luft der Heizung, das Gequatsche der Männergruppe ganz hinten im Bus, das leise Gedudel des Radios.

Kurz vor Calais war ich dann wieder einigermaßen wach. Wir sollten unsere Personalausweise bereit halten, aus dem Bus steigen und uns in einem kleinem Häuschen anstellen. Zweimal wohlgemerkt. Erst bei den Franzosen, dann bei den Engländern. Dementsprechend lange dauerte es auch. Sie blickte auf die Bilder, dann den Menschen ins Gesicht, aufs Bild, ins Gesicht. „Sherlock Holmes, oder was?”, fragte einer aus unserer Gruppe und wegen meiner Übermüdung musste ich einfach nur losprusten. Zum Glück brachten wir diese beiden Kontrollen unbeschadet hinter uns.
Wir waren froh, als unser Bus endlich auf die Fähre rollte. Die Frühere hatten wir wegen der Franzosen verpasst. Alle aus dem Bus raus, die Treppen hoch und sich einen Platz suchen. P. und ich fanden gemütliche Bänke direkt am Fenster. Nach wenigen Minuten breiteten wir uns darauf aus und wenige Sekunden später war ich eingeschlafen. Nach einer Stunde wurde ich wieder wach. Das französische Gespräch meiner Sitznachbarn empfand ich als sehr angenehm. Ich richtete mich auf, zog mir die Kapuze über den Kopf und lehnte mich an. Mein Nachbar begann mich auszuhorchen. Woher ich denn komme, wie weit ich gefahren bin, wie lang ich in London sei, ob ich über Silvester da bin, im Hotel oder wo ich untergebracht wäre, was die Reise kostet? Ich antwortete ihm im verschlafenden, schlechtesten Englisch überhaupt. Knappe Sätze. Es war hell geworden draußen und man konnte die weißen Klippen Englands sehen. Mein erster Eindruck war demnach sehr positiv.

Dover; London

Endlich sprach der Captain wieder und wir konnten mit dem Strom die Treppen herunter, wieder in den Bus. Dover, hier sind wir! Und schon waren wir auch schon wieder weg. Linksverkehr. Ein seltsames Gefühl ist das. Autos überholten uns, und auf der gewöhnlichen Fahrerseite saß niemand. Etwas beeindruckt war ich davon schon. Ebenso wie von der Landschaft. Knorrige alte Bäume, grauer Himmel und sattes grünes Gras. Hübsch, und das an der Autobahn! Die kleinen Häuser am Straßenrand sahen heruntergekommen aus. Die Vorstadt Londons. Rote Häuschen mit Palmen in den Vorgärten und vielen Kaminausgängen auf dem Dach. Nicht sehr ansehnlich dachte ich, doch eigentlich war es das schon. Diese kleinen roten Dinger, die sich aneinander quetschten. Dann waren wir plötzlich schon da. London. Die hippste Stadt Europas.

Stadtrundfahrt

Die Stadtrundfahrt begann. Wir düsten durch die Gegend und rechts neben uns tauchte kurz das London Eye auf. Ich war so hin und weg, dass ich das House of Parlament erst später entdeckte. Wir fuhren über die Themse und direkt vor uns lag es. Links der Big Ben, rechts das Riesenrad. Und direkt am Westminster Abbey gab es den ersten Foto-Stop. Nun gar nicht  mehr müde, ging es aus dem Bus raus. Hinein in die Menschenmassen, die sich vor der Church tummelten in der William und Kate geheiratet hatten. Daneben der Big Ben, der nun gar nicht mehr groß und pompös aussah. Er stand einfach da und ich war kurz enttäuscht von ihm. (Das lag zum Glück nur am schlechten Wetter, denn er ist ziemlich schön!) Wir blickten noch kurz auf die Kirche, die eher grau als weiß in die Höhe ragte. Aber auch das kam vom Wetter. Die ganze Stadt war grau.

Nun wieder rein in den Bus und weiter ging es. Vorbei an allen Sehenswürdigkeiten die man so kennt aus London: Der Buckingham Palace (die Queen war nicht zu Hause), der Trafalgar Square und natürlich der Piccadilly Circus (leider war der Brunnen, bis auf die Spitze, eingepackt). Dann fuhren wir über eine weitere Brücke und hatten direkten Blick auf die Tower Bridge. Alle bekannten Sehenswürdigkeiten kamen mir kleiner als auf Bildern vor, aber dieses Problem hatte ich auch in Paris schon gehabt, bis ich mich an sie gewöhnt hatte und sie einfach nur noch bezaubernd fand. Am Queens Walk machten wir den zweiten und letzten Foto-Stop. Hier strömten wir in eine riesige Halle, in denen es kleine Geschäfte und einen großen Schiffsbrunnen in der Mitte gab. Natürlich diente auch die Tower Bridge als gutes Fotoobjekt. Das Friedenssicherungsschiff des Museums stand ebenfalls in der Themse verankert und zog die Blicke auf sich. Nach einem kleinen Gang über den Queens Walk, ging es wieder zurück zum Bus. Tatsächlich waren wir nun ziemlich kaputt und hofften endlich das Hotel anfahren zu können.

Holiday Inn Wembley

Unser Wunsch wurde erhört. Um 15 Uhr betraten wir in Wembley das Holiday Inn.  Nach dem Auspacken und einer kleinen Pause ging es dann wieder raus in den Regen, um die U-Bahn zu suchen. Am Hotel, etwas weiter die Straße runter, fanden wir unsere Reiseleitung, die uns sagte, dass wir mit der Jubilee Line ca. 25 Min. bis in die City fahren würden. Damit war unser Plan für den heutigen Tag vernichtet. Mehr als eine Stunde Hin -und Rückweg war uns dann doch etwas zu happig. (Der Weg zur Station waren nämlich ebenfalls noch 10 Min. gewesen.) Also liefen wir wieder zurück, hinein in den Supermarkt. Ich rechnete nach Paris mit dem Schlimmsten – Keine vegetarischen Sachen und alles überteuert. Aber hey! England ist einfach nur sau cool! Suitable for Vegetarians!

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Dieser Text erschien ursprünglich auf einem alten Blog von Fräulein Klitzeklein.

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