Wochenstart mit Billy Talent

Schweigend Auto fahren. Rise Against die einzigen Unterhalter. Keiner spricht. Ich sitze mit einem Freund, meinem Bruder und einem Fremden im Auto Richtung Frankfurt zum Billy Talent Konzert. Der Fremde schläft nach wenigen Minuten ein und ich vertreibe mir die Zeit damit zu warten, bis sein Kopf gegen die Scheibe dotzt. Es passiert nichts. Wir stehen im Stau, fahren durch unzählige Baustellen, kommen irgendwann an. Parkhaus überteuert, Menschen zu viele. Die Halle ist riesig.

Schon bei der ersten Vorband sehe ich nur die Hälfte. Kann nicht mal sagen, ob wir vor dem ersten oder zweiten Wellenbrecher stehen. Bei Anti Flag wird es voller und voller, die Leute drängeln. Um 21:30 Uhr ist es soweit: Billy Talent sind da! Die Menge rastet aus. Und wenn ich sage Menge, meine ich auch Menge. In die Halle passen 13.500 Leute. Das heißt um mich herum stehen 13.499 und ich bin irgendwo eingequetscht. Immerhin übertragen sie es auf die Leinwände. Ich seh nach kurzer Zeit gar nichts mehr, außer dort. Ein kurzer Blick auf die Band. Das war’s dann auch.
Immer wieder quetschen sich Leute vor mir durch die undefinierbaren Reihen. Die Gruppe neben uns beginnt zu pogen. Kein Problem, wir können uns eh nicht bewegen. Man würde so gerne zu der Musik tanzen und abgehen, aber mit den 30cm Bewegungsfreiraum klappt das nicht. Selbst beim Klatschen boxe ich das Mädchen vor mir immer wieder versehentlich. Sie bleibt freundlich und fragt, ob ich sehen kann. Schon lange nicht mehr, aber danke. Der Typ hinter mir schwitzt mir meinen Rücken voll. Das hätte ich auch noch alleine geschafft.

Bei „Rusted from the rain“ wird es zum Glück etwas ruhiger. Bei „Surrender“ werde ich durch die Gegend geschubst. Ich steh jetzt plötzlich kurz vor dem Wellenbrecher. Der Kerl hinter mir fängt mich ein paar Mal auf. Sehr freundlich, sonst hätte ich da das ein oder andere Mal gelegen, wenn von vorne und der Seite gleichzeitig gequetscht wird.
Mir kommt es vor, als würden Billy Talent nach nur wenigen Liedern einfach wieder verschwinden. Doch es gibt noch eine Zugabe.
Die letzten drei Lieder ist es dann ganz vorbei mit irgendwelchen Beherrschungen. Wir versuchen so gut es geht uns zu bewegen, den Rest macht die Menge. Schon vor 23:00 Uhr ist das Konzert vorbei. Wir müssen warten bis sich irgendwer bewegt, damit wir aus der Halle rauskommen. Ich beobachte wie die Bühnenarbeiter leichtfertig über unseren Köpfen balancieren und beginnen abzubauen.
Draußen müssen wir auf den Fremden, der jetzt gar nicht mehr so fremd erscheint, warten. Er berichtet von seinem verloren Geldbeutel im Mosh Pit, den er nach wenigen Minuten wieder gefunden hat. Lucky guy. Als wir zum Auto laufen komme ich mir vor wie auf dem türkischen Basar. T-Shirts und Poster werden verkauft, es wird gegrölt und gedrängelt. Bei der U-Bahn Station steht ein Typ mit Gitarre und gibt seine Lieder zum Besten.

Es dauert nicht so lange wie erwartet, um aus dem Parkhaus zu kommen. Zurück auf die Autobahn. Ich versuche die Augen offen zu halten aus Solidarität zum Fahrer. Der Fremde pennt nach wenigen Minuten wieder ein. Eine sternenklare Nacht. Wir freuen uns auf unsere Betten und das wir früher als erwartet zu Hause sein werden. Doch das war der Fehler. Kurz nach Frankfurt, gerade mal eine halbe Stunde unterwegs, fährt er von der Autobahn ab, hält in einer Zufahrt des Industriegebiets und erzählt uns, dass wir nun ein Problem haben. Und was für eins! Das Auto ist liegen geblieben. Wir kommen nicht weiter. 100 Anrufe an Abschleppdienste u.ä. bleibt erfolglos. Keiner will uns helfen. Wir sind keine Mitglieder und wir haben nicht so viel Geld in bar mit. Nach einer Stunde in der Kälte erbarmt sich der ADAC mit der Hoffnung ein neues Mitglied zu gewinnen. Wir werden abgeschleppt zu der Zeit, wo wir schon längst zu Hause sein sollten.

Setlist Billy Talent Frankfurt:
1. Lonely Road to Absolution
2. Viking Death March
3. Turn your Back
4. Devil in a Midnight Mass
5. This Suffering
6. Line & Sinker
7. Love was still around
8. Rusted from the rain
9. Saint Veronika
10. Runnin‘ across the tracks
11. Surrender
12. Diamond on a Landmine
13. Man Alive!
14. This is how it goes
15. Try honesty
16. Devil on my shoulder
Encore:
17. Fallen Leaves
18. Surprise Surprise
19. Red Flag

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